Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Religion und Sittlichkeit
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 116 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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116 Logik; und es könnte auf jenem Standpunkt auch noch die Selbständigkeit einer philosophischen Ethik zugestanden werden. Aber der Menschengeist strebt dennoch über die Einseitigkeiten dieser Richtungen, ihrer Rätsel und Lösungen offenbar, so meint man, hinaus. Es genügt ferner nun auch nicht, dagegen aus die Kunst hinzuweisen, in der der Menschengeift über Wissenschaft und Sittlichkeit hinaus seine Herrschaft ausbreitet. Seit Schleiermacher Pflegt man auf die intimsten und die engsten Regungen des menschlichen Gefühls sich für die Religion zu berufen, als hätten diese in jenen großen Gebieten des Kulturbewußtseins keine Heimstätte; der Subjektivismus des Gefühls, als des intimsten Zentrums des Menschenwesens, muß herhalten, um eitlen Mittelpunkt abzugeben für jene universale Richtung, die der Religion Vorbehalten bleiben soll. Im Grunde freilich lauert auf allen diesen Umwegen die alte Sphinx des Absoluten. Mit der Gefühlsenge des Subjektivismus verbindet sich hinterrücks die metaphysische Weite des Unendlichen. In der Logik findet man kein Genügen für dieses Absolute und Unendliche, und auch die Ethik bietet keine ausreichende Bürgschaft dafür. Das Absolute, als Substanz gedacht, bleibt für den modernen Menschen tunlichst im Hintergründe. Soviel hat man den Worten nach doch von Kant gelernt, daß die absolute Substanz in die Rumpelkammer der alten Metaphysik gehört. Und wenn sie in der Romantik wieder auflebte, so vollzog sich dies unter dem Zwielicht der geschichtlichen Bewegung, welche die Substanz des Geistes, als logische Idee, als die Idee in der dialektischen Bewegung Hegels, in der Weltgeschichte des Geistes darstellt. Es bleibt immerhin noch gefährlich genug, sich auf diese Art von Universalität und Absolutheit für die Religion zu verbürgen; denn es hängt ihr so der Schein des Pantheismus an, der nicht immer ein Glorienschein ist, und nicht durchaus ein Schein für diejenige Beglaubigung, welche wenn auch nicht in kirchlichem Sinne heutzutage, desto mehr aber in einem mehr oder