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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 115

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Religion und Sittlichkeit
Date
1907-01-01
Page
Seite 115 (sequence 18)
Language
German
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115 geschichtlichen Bedeutung des Protestantismus nur dann einen ehrlichen Sinn, wenn es den Katholizismus begrifflich ausschließt; wie derselbe denn auch oft und offen genug als Heidentum bezeichnet und fallengelassen wird. Sucht man dagegen, wie es aus politisch-nationalen Rücksichten an Wendepunkten der Verirrung zu geschehen pflegt, eine Einheitlichkeit des Glaubens für die beiden feindlichen Bruderschaften festzuhalten, so verliert der Protestantismus seine weltgeschichtliche Bedeutung. Schon aus solcher Rücksicht haben wir die Behauptung eines absoluten Christentums nicht ernsthaft zu nehmen, und hier nicht eingehend zu würdigen. Dagegen genügt es, beide Ausdrücke für den Begriff der Religion schlechthin genauer zu betrachten. Hierbei dürfte es sich empfehlen, an den Ausdruck des Univers alen anzuknüpfen. Es handelt sich dabei keineswegs um den Universalismus der Weltreligion, der dem Christentum zugesprochen, in neuerer Zeit übrigens auch dem Prophetismus des Judentums zuerkannt wird. Nicht um die Herrschaft einer bestimmten Religion und deren Umfang soll es sich für uns dabei handeln; auch das Absolute soll eigentlich nicht die Alleinherrschaft bedeuten, sondern vielmehr die erschöpfende Erfüllung aller Bedingungen des Religionsbegriffes. Beim Universalen nun aber handelt es sich nicht um die erschöpfende Definition des Religionsbegriffes, sondern vielmehr um die Zusammenfassung aller Anliegen und Richtungen des menschlichen Geistes. In diesem souveränen Sinne nimmt die universale Religion den ganzen Menschen in Anspruch, indem sie allein in der Umfassung und Zusammenschließung aller Bestrebungen des Geistes Einheit demselben zu geben habe. Welche hohe Aufgabe und Bedeutung wird damit der Religion zugewiesen! Wenn sie nur auch erfaßt werden kann: wenn sie vor allem an der rechten Stelle angebracht ist! Man sieht indessen sogleich, daß der Irrtum der Weltanschauung in minder anstößiger Form hier doch nur wiederholt wird. Zwar bleibt die wissenschaftliche Erkenntnis unangetastet, als Befugnis letztlich etwa der 3*

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