Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Buddhismus und Judentum
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 73 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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möglich hergeleiert. Außerdem findet man dasselbe in Vieltausendsacher Wiederholung auf Monumenten und Giebeln, auf unzähligen Guirlanden und flaggen, die zwischen Bäumen hängen, oder Flüsse, Schluchten und weite ^äler von einem Berggipfel bis zum anderm überspannen. Am merkwürdigsten aber ist der Gebrauch von Gebetmühlen, deren Räder ebenfalls mit jenen Worten beschrieben sind, und die entweder in kleinerer Form mit den Händen gedreht werden, oder in größerem Maßstabe vom Winde, vom Wasser, oder auch vom Rauch auf dem Herde bewegt werden. Wer ein solches Rad dreht oder seiner! Bewegungen zusieht, hat nach der herrschenden Meinung das gleiche Verdienst, als wenn er das Gebet ebenso oft selbst gesprochen hätte, als es auf dern Rade abgerollt wird. Bei Betrachtung dieses Mechanismus, der ein Hohn auf alle wahre Andacht ist, will es uns scheinen, als ob das Gebet dafür, daß es anfangs im Buddhisrnus völlig znrückgesetzt war, sich gleichsam dadurch rächen wollte, daß es die nachfolgenden Geschlechter zwingt, alle Gebete, die die vorangegangenen Geschlechter versäumt haben, in unzähliger Vervielfachung nachzuholen, und daß es so an denen, die einst den Segen seiner wahren Bedeutung verkannt haben, in einer zur Karrikatur verwandelten Form seines echten und ursprünglichen Wesens zum Fluch wurde. Zu welch rohenr Fetischdienst und Götzenkult übrigens der Lamaismus herabgesunken ist, das hat erst kürzlich der Ethnologe Hans Lederer (aus Troppau), der lange Zeit unter den Mongolen lebte, in einem fesselnden Vortrag unter Vorführung zahlreicher Kultusgegenstände in der hiesigen geographischen Gesellschaft geschildert. Nach der Mitteilung dieses Gelehrten wird in den; lamaistischen Pantheon von den Bekennern der Religion, deren Stolz es ehemals war, keinen einzigen Gott anzubeten, heute eine geradezu unabsehbare Anzahl von Göttern verehrt. Unter andern z. B auch ein Götzenbild mit Stierkopf und Flammenhaar und nicht weniger als 16 Beinen und 34 Armen. Sehr charakteristisch ist auch, daß menschliche Schädelschalen nicht nur als Trink-