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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 72

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Buddhismus und Judentum
Date
1907-01-01
Page
Seite 72 (sequence 24)
Language
German
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getragen wird. Dafür liefert gerade die Geschichte des Buddhismus eine außerordentlich lehrreiche Illustration.^) „Es ist eine der großen Ironien der Geschichte der Religion," sagt Bertholet, „daß im Lause der Zeit der Stifter einer Religion ohne Gott der Gott seiner Anhänger geworden ist, weil sie diese große Einsamkeit ohne Gott nicht ertragen haben." Der Buddhismus hat sich schon frühzeitig, etwa um den Beginn unsrer Zeitrechnung, in zwei Richtungen gespalten, von denen die eine, das sogenannte Hinayana. (d. h. kleine Fahrzeug), in Ceylon und den anderen südlichen' Ländern, die andere, das Mahayana (d. h. das große Fahrzeug), in den nördlichen Gebieten vorherrscht. Der bei weitem größte Teil aller Buddhisten der Gegenwart (etwa 9/io?) gehört der letzteren Richtung an, die besonders in Tibet in dem hierarchischen Lamaismus zu krassester Menschenvergötterung und zum oberflächlichsten religiösen Mechanismus entartet ist. An der Spitze eures das ganze Land beherrschenden Heeres arbeitsscheuer, sittenloser und vielfach der Trunk- und Opiumsucht sröhnender Priester, die als Zauberer, Charlatans und Kurpfuscher das Volk ausbeuten und in Unwissenheit und Unnründigkeit erhalten, steht hier der buddhistische Papst, der sogenante Dalai- Lama (oder Talli-lama), der als die Verkörperung Buddha's (oder einer Emanation desselben) verehrt wird. Nach seinem ^ode erscheint er in einem Kinde wieder, dessen abgöttische Verehrung sich selbst aus seine sekrete erstreckt. Und ganz besonders interessant lind lehrreich ist es, und auch das ist eine Ironie der Geschichte, daß das in dem ursprünglichen (atheistischen) Buddhismus völlig ausgeschaltete Gebet in der lamaistischen Kirche zu größerer Geltung als in irgend einem andern Kultus gelangt ist. Das Universalgebet, gleichsam das Ave-Maria der lamaistischen Kirche, besteht aus den vier Wörtern „0m maoi packmo hom!" Dieses Gebet, dessen eigentlicher Sinn nicht recht aufgeklärt ist, wird täglich mittelst eines Rosenkranzes von 108 Kugeln so oft als *) cf. Falke, Buddha, Moharned, Christus, I S. 183 ff.)

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