Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Buddhismus und Judentum
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 26)
- Language
- German
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74 gefäße für Wein und Schnaps benutzt werden, sondern daß sogar eine aus solchen Schalen hergestellte Trommel zu den Attributen jedes Lamas gehört, der dieselbe besonders auch zur Beschwörung von Krankheiten verwendet. Wir können uns daher nicht weiter darüber wundern, daß unter dem verderblichen Einfluß einer solchen Unreligion in dem wahnbetörten Volke ein fortschreitender sittlicher Verfall sich vollzieht, und daß Unzucht aller Art, Vielweiberei und Vielmännerei, Diebstahl und Trunksucht sich immer mehr ausbreiten. Daß aber der Kulturstand des südlichen Buddhismus auf Ceylon^ in Siam und Birma nicht viel höher ist, beweist wohl unter vielen andern Blüten des Wunder- und Reliquienglaubens die Tatsache, daß dort gegenwärtig der vermeintliche linke Augenzahn Buddha's als die heiligste Reliquie verehrt wird. Wenn trotz dieses beredt genug sprechenden Urteils, das die Geschichte selbst über den Buddhismus fällt, seine europäischen Apostel ihn dennoch in begeisterten Dithyramben gewissermaßen als die Religion der Zukunft anpreisen, so kann dies nur daraus erklärt werden, daß das, was sie als Buddhismus ausgeben, bei Licht betrachtet, gar nicht der geschichtliche Buddhismus ist. Vielmehr haben wir es hier mit einer Weltanschauung zu tun, die aus modern philosophischen und altbuddhistischen Elementen gemischt ist, deren wesentlichster Bestandteil aber eine Ethik ist, die, soweit sie auf allgemeine Anerkennung Anspruch machen darf, bereits 1000 Jahre vor Buddha viel klarer und schöner von Mose ist verkündet worden. Allein, wie schon gesagt: Auch die vollendetste Ethik ohne Gott kann das Menschengeschlecht nicht aus geistigem Wahn befreien und noch weniger über irdische Trübsal erheben. Darum wird die Religion der Zukunft nur die Religion sein, die Jesaja vor seinem leuchtenden Geistesauge sah, als er das Wort sprach: „Einst wird die Erde voll sein von der Erkenntnis Gottes, wie Wasser den Meeresgrund bedecken." (Jes. 11, 9.)