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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 71

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Buddhismus und Judentum
Date
1907-01-01
Page
Seite 71 (sequence 23)
Language
German
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71 Ausspruch hinweiserr, der dartut, daß selbst die Beschäftigung nnt dem Gottesworte uns nicht von der Arbeit entbindet. Es heißt in Josua: „Dieses Buch der Lehre soll nicht aus deinem Munde Weichen, und du sollst darin sinnen Tag und Nacht. Ist dieses Gebot etwa wörtlich aufzufafsen? Nein, so sagt R. Jsmael. Sagt doch die Thora ausdrücklich: Ich werde den Regen eures Landes zur rechten Zeit spenden, und du sollst einsammeln dein Getreide, deinen Most und dein Oel! Du sollst also Thorastudium und Arbeit verbinden und jedes zu seiner Zeit betreiben." Und diese Auffassung fand allgemeinen Beifall (eck. Berachoth 35d.) Ja, nach der Deutung unserer Weisen ist in den Worten der Thora: „Sechs Tage sollst du arbeiten, und am siebenten Tag soll ein Ruhetag sein dem Herrn, deinem Gotte" zugleich nnt denl Gebote der ^abbatruhe auch das Gebot der Arbeit ausdrücklich ausgesprochen. (Aboth d. R. Nathan c. 11.) Wenn daher Berthold Auerbach in einer seiner Schriften (Auf der Höh') die Frage aufwirft, warum keine Religion vor allem das Gebot der Arbeit hat, so beruht dieser Vorwurf in Bezug auf das Judentum auf falscher Voraussetzung. — Soweit sich nun auch in diesen und manchen anderen fundamentalen Punkten der Buddhismus voni Judentum entfernt, so sehr begegnet er sich mit demselben — und das sei unumwunden zugestanden — in seinen Lehren über die Selbstheiligung sowie über die Pflichten des Wohlwollens, der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit gegen andere. Ob der Begriff der Nächstenliebe in gleicher Tiefe und Lauterkeit wie im Judentum erfaßt ist, bleibe dahingestellt, jedenfalls finden wir hier Lehren und Aussprüche, die oft an die schönsten und erhabensten Stellen unseres heiligen Schrifttums erinnern imd llns nnt Ehrfurcht und Bewunderung vor der sittlichen Größe des Weiseri erfüllen, der diese erhabene Moral verkündet und gelebt hat. Allein das beste und vollkommenste Moralsystem kann ein Volk für die Dauer nicht vor geistiger und sittlicher Verirrung schützen, wenn es nicht von dem rechten Gottesgedanken

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