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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 70

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Buddhismus und Judentum
Date
1907-01-01
Page
Seite 70 (sequence 22)
Language
German
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70 nicht erst weitläufig auseinanderzusetzen. Jedermann weiß, daß in der Bibel die Ehe als eine von Gott selbst gestiftete Institution geheiligt ist. „Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Ich will ihm eine Gehilfin zur Seite stellen." So sprach der Schöpfer, als er Eva, das erste Weib, schuf. Darum gilt die Eheschließung für den Mann als eine heilige Pflicht, und selbst der Hohepriester durfte am Versöhnungstage nicht vor den Altar treten, wenn er nicht mit einein Weibe vermählt war?) „Wer ohne Weib lebt, so heißt es im Talmud, der lebt ohne Schutz, ohne Frieden, ohne Glück, ohne Segen." (Jebarnoth 62 d.) Ja, die Ehe, ein glückliches Famllienleben, ist ein wesentliches Stück im jüdischen Lebensideal: „Heil dir, wenn du Gott fürchtest, wenn du in seinen Wegen wandelst. Wenn du die Arbeit deiner Hände genießest, heil dir und wohl dir! Dein Weib, einer blühenden Rebe gleich, im Innern deines Hauses, deine Kinder gleich Olivensprossen rings um deinen. Tisch, ^iehe fürwahr, so fühlt sich gesegnet der gottesfürchftge Mann." (Ps. 128.) Wie Sie sehen, preist dieser schöne Psalm neben dem Familienglück auch den Segen der Arbeit, und auch das bildet einen großen Vorzug des Judentums gegenüber dem Buddhismus, welcher die sittliche Bedeuftrng der Arbeit völlig verkannt hat. „Ein Mönch, welcher die Erde gräbt oder graben läßt, ist der Buße schuldig. Blumen, Gräser, Sträucher oder Bäume anzupflanzen, liegt dem Mönch fern." Das ist buddhistische Beichtformel und Ordensregel. (cf. Berthol. l. l. S. 50.) Wie dagegen Misere Schriften die Arbeit in allen Tonarten preisen, das habe ich erst kürzlich an anderer Stelle ausgeführt. Hier möchte ich besonders auf einen *) Mischna, Jorna I, 1. Vgl. auch Pesikta, eä. Buber, p. 172 d: „Nadab und Abihu starben, weil sie unverehelicht den Priesterdienst verrichteten."

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