Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Buddhismus und Judentum
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 20)
- Language
- German
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68 Das Einfachste schiene ja unter solchen Umständen er Selbstmord. In der Tat ist der Selbstmord nach buddhistischer Lehre kein eigentliches Unrecht. Aber, so sagt der buddhistische Katechismus, der Selbstmord ist eine törichte Handlung, weil er uns nicht vor der Wiedergeburt schützt. Jnunerhin ist es klar, daß die allgenieine Verwirklichung des buddhistischen Lebensideals alle Kulturarbeit unterbinden und zuletzt den Untergang des Menschengeschlechts herbeiführen müßte. Hierüber waren sich schon die zeitgenössischen Gegner Buddha's völlig klar. „Der Asket Gotama, so klagten sie, ist gekommen, Kinderlosigkeit zu bringen, der Asket Gotama ist gekommen, Witwentum zu bringen, der Asket Gotama ist gekommen, Untergang der Geschlechter zm bringen." (Oldenb. S. 156.) Glücklicherweise hat die Natur selbst dafür gesorgt, daß diese Gefahr von der Menschheit abgewendet wurde. Auch hier gilt das Schiller'sche Wort von der Natur gegenüber der Philosophie: „Einstweilen, bis den Bau der Welt Philosophie zusamrnenh ält. Erhält sie das Getriebe Durch Hunger und durch Liebe." Der Verzicht auf das weltliche Leben, auf seine Freuden und Pflichten, ist nur auf den Orden der Priester beschränkt geblieben; die großen Massen sind, unbekümmert um die Welt- und lebensfeindlichen Theorien, in ihrer Lebensführung nach wie vor dem Zuge der Natur gefolgt. Gleichwohl mußte Lehre und Beispiel der Priester auch auf das Familienleben und die bürgerlichen Verhältnisse der Laienwelt einen schädlichen Einfluß ausüben. Daß die Lehre Buddha's die Ehe grundsätzlich verwirft, ist nur eine natürliche Folge ihrer Lebensverachtung Tatsächlich wurde dieselbe den Mönchen in aller Form verboten. Wir wundern uns deshalb nicht, wenn wir gelegentlich folgender Aeußerung über die Ehe begegnen: „Solange jemand diese Binde vor den Allgen trägt, kann er Tugend und Einsicht nicht erreichen. Nur lvenn die Binde, die mait Heiratsgedanken nennt, von den Ailgen genommen ist, wird Tugend und Einsicht zilr