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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1907-01-01 · 10 (1907) · p. Seite 64

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
10 (1907)
Article
Buddhismus und Judentum
Date
1907-01-01
Page
Seite 64 (sequence 16)
Language
German
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(34 Nirgends wird, in der Thora wenigstens, der Satz aufgestellt: Du sollst an einen Gott glauben! Das Dasein eines Gottes ist dem Judentum etwas Selbstverständliches, etwas, dessen unmittelbare Gewißheit einen Zweifel garnicht aufkommen läßt, es ist geradezu der Lebensnerv des Judentums. Der bloße theoretische Glaube an Gott tut es aber auch nicht. Was das Judentum verlangt, ist vielmehr: Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele, mit ganzem Vermögen! Und in diesem Grundgebote unserer Lehre ist auch schon ihre optimistische Weltanschauung gegeben. Nach der bekannten Definition Spinoza's wenigstens ist die Liebe ja nichts anderes als die Freude, begleitet von der Vorstellung einer äußeren Ursache derselben?) Gott lieben heißt also darnach^ sich des Daseins freuen im Bewußtsein, daß Gott oer Urheber desselben ist. Und das ist auch der Gedanke des kleinen aber tiefempfundenen hundertsten Psalms, der in einer meisterhaften modernen Komposition eine solche treffliche Interpretation gefunden hat: „Jauchzet dem Herrn alle Lande! Dienet dem Herrn mit Freude, tretet hin vor Ihn mit Jubelsang! Wisset, daß Ad. (der Ewige) Gott ist. Er hat uns geschaffen, Ihm gehören wir an, wir sind Sein Volk, die Heerde Seiner Weide!" Welch einziges, beseligendes Gut dem Frommen in dein Besitze Gottes gegeben ist, das kann nicht schöner ausgedrückt werden als in dem Worte des Psalmisten: „Was hält' ich neben Dir, o Gott, im Himmel? Hab' ich nur Dich, nichts wünsch' ich mehr auf Erden mir!" (Ps. 73, 25.) Um wieviel freudiger, lebendiger und lichtvoller ist dieses Wort als das in diesen Tagen anläßlich der Enthüllung des Anzengruberdenkmals soviel besprochene Wort seines Dorfphilosophen, des Steinklopferhannes: „Es kann d'r nix geschehen", das doch im Grunde genommen nur *) Amor est laetitia concomitante idea causae externae. Ethic. ed. Ginsberg P. IIE p. 206.

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