Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Buddhismus und Judentum
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn wir gehen und stehen, wenn wir uns setzen und uns niederlegen, wenn wir reden und schweigen, sollen wir bedenken, was wir tun, und daraus achten, daß es geziemend geschehe. Wir sollen nichts bedürfen, als was wir an uns tragen, wie der Vogel in der Luft keine Schätze hat und nichts an sich trägt als feine Uügel, die ihn hinführen, wohin er will." iOldenb. S. 351.) „Wie ein Weib oder ein Jüngling, der an Schmuck Gefallen hat, in einem Spiegel oder in einer klaren Wafferfläche ihr 'Antlitz beschauen, um jede unreine Spur urrd jeden Fleck zu beseitigen, so soll der Mönch darnach trachten, von allere bösen Regungen twie Lust, Begier, Haß, Verwirrung oder Zorn) frei zu werden und sich Tag und Nacht im Guten üben." ftb. S. 353) Diese Mitteilungen rverderr genügen, um Ihnen einigermaßen ein Bild von dein Wesen des Buddhismus zu geben. Unterwerfen wir nun diese Lehre einer vergleichenden Prüfung vorn Standpunkte des Judentums aus, so fällt uns vor allem die Tatsache auf, daß in derselben der Glaube an einen Gott keinen Raum hat. Nicht als ob der Buddhisrnus die alten brahruanischen Götter garrz aus der Welt geschafft hätte. Aber diese Götter, die wie die Menschen vergänglich und sterblich sind urrd auch deu Gesetzen des Karma und der Wiedergeburt unterliegen, haben auf die Schicksale der Merrschen keinerlei Einfluß, und deshalb hat auch ihre Verehrung rmd 'Anbetung für sie keinen Zweck rrnd keine Bedeutung. Und irr diesem Marigel des Gottesbegriffs liegt arlch der Grund zu der finstern pessimistischen Vorstellung, die über die ganze buddhistische Weltanschauung ihre Schatten wirft, 3li der Vorstellung, daß alles Leben Leiden ist, urrd daß darum das einzige Heil inr Nichtseirr bestehe. Diesen buddhistischen Pessimismus hat bekanntlich Schoperrhauer irrs Philosophische übersetzt, urrd derselbe hat bereits daraus hirrgewieserr, daß das Christen-