Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Buddhismus und Judentum
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 60 (sequence 12)
- Language
- German
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60 Ruhe gekommen." Diese kluge Deutung gefiel dem König so sehr, daß er Lebelang in das väterliche Erbe wieder einsetzte und ihm seine Tochter zur Gemahlin gab. (S. Oldenb. S. 237 ff.) Noch tiefer und reiner gefaßt erscheint die Feindesliebe in der Erzählung von Kunala, dem Sohn des großen Königs Afsoka. Eine der Frauen des Königs entbrannte in Liebe zu dem schönen Jüngling, doch dieser wies sie zurück. Um sich dafür zu rächen, erläßt die Verschmähte ohne Wissen des Königs einen mit seinem Siegel versehenen Befehl, dein Prinzen, der inzwischen in eine ferne Provinz gesandt war, beide Augen auszureißen. Der edle Jüngling jedoch ertrug die gransarne Strafe mit bewunderswürdiger Seelenruhe. „Das Auge von Fleisch, so sprach er, ist mir unwiederbringlich verloren; aber ich hübe das vollkommene untadelige Auge der Weisheit erworben, ^tatt des Reiches, daran Schmerzen und Leiden haften, habe ich das Reich der Wahrheit gewonnen, das Schmerz und Leiden vernichtet. Mögen die, auf deren Veranlassung mir so hohes Heil Wied er fahren ist, noch lange Glück, Leben und Macht genießen!" Als aber der König nach einiger Zeit die Untat erfuhr und im Uebermaß des Schmerzes und von Zorn entbrannt die Schuldige unter Martern töten lassen wollte, bat Kunala selbst um Gnade für sie: „Wenn sie unedel gehandelt hat, so handle du edel, töte nicht ein Weib. Es gibt keinen höhern Lohn als den für das Wohlwollen; die Geduld, o Herr, wird von dem Vollendeten gepriesen. Darum hat auch mein Herz nur Wohlwollen für die, die mir mein Augenlicht geraubt hat. eo gewiß diese Worte wahr sind, mögen meine Augen wieder werden wie zuvor." Und siehe da, seine Augen erglänzten wieder in alter Schönheit. (Oldenb. S. 341 ff.) Zu den Kardinaltugenden des Buddhismus gehört auch die Wohltätigkeit, die, allerdings nur in erdichteten Beispielen, ohne Maß und Grenze bis zur Selbstaufopferung übertrieben erscheint. So wenn Buddha selbst von sich erzählt, daß er in einer seiner vergangener!