Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Buddhismus und Judentum
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
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„Dies ist die heilige Wahrheit von der Aufhebung des Leidens: Die Aufhebung des Leidens wird bewirkt durch Aufhebung des Daseinsdurstes, durch Ueberwindung des Lebenstriebes, durch gänzliche Vernichtung alles Begehrens". „Dies ist die heilige Wahrheit von dem Wege, der zur Aufhebung des Leidens führt: Es ist der achtteilige Pfad, der da heißt: Rechtes Glauben, rechtes Entschließen, rechtes Wort, rechte Tat, rechtes Leben, rechtes Streben, rechtes Gedenken, rechtes ^ichversenken". (Oldenb. S. 147^ff.) Um diese ^ätze ganz zu verstehen, muß man sich drei Grundbegriffe der buddhistischen Weltanschauung, die gewissermaßen ihre Glaubenslehre bilden, klar zu machen suchen: die Wiedergeburt, das Karma und das Nirwana. Schon in dervorbuddhistischen Zeit war bei den alten Indern wie bei den Aegyptern der Glaube an die sogenannte Seelenwanderung verbreitet. Wenn ein Mensch stirbt, so zieht seine Seele in einen anderen menschlichen oder tierischen Körper ein und führt ihn durch eine neue Existenz, und so durchläuft sie bis zu ihrer endlichen Erlösung eine Reihe mannigfaltigster, höher oder niedrig organisierter Existenzen. Jeder Mensch und jedes Tier ist demnach schon vor seinem gegenwärtigen Dasein in der Vergangenheit in einem unaufhörlichen Wandlungsprozeß durch die verschiedensten Stufen der lebenden Wesen lind innerhalb der menschlichen Gesellschaft durch die verschiedensten Klassen und Stände derselben hindurchgegaugen. Der Mensch von heilte kann z. B. früher einmal als Hase auf der Erde gelebt haben und in Zukunft als Kameel oder in anderer Tiergestalt wiedergeboren werden, irnd wer einst in einem anderen Dasein als rnächtiger König gebot oder vielleicht auch ein Gott war, kmm hellte als Bettler unter lllls wandeln. Der Buddhislilus lellguete nun merkwürdiger Weise die Existellz eilier Seele, behielt aber delmoch die Lehre voll der Wiedergeburt der lebeubeii Wesen bei und verballd mit derselben die Lehre voll der sittlichen