Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Buddhismus und Judentum
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
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Sieben Jahre lang irrte er als Einsiedler umher und suchte vergebens durch harte Bußübungen und fortgesetzte Kasteiung Erlösung und inneren Frieden. Da kan: ihni endlich in einer Nacht (die heilige Nacht der buddhistischen Welt), als er unter dem bereits genannter: Bodhi- oder Bo-Baum, d. h. Baum der Erkenntnis, saß und lange in gewaltigen: Kampfe mit der lockenden Weltlust gerungen und gesiegt hatte, die ersehnte Erleuchtung. „Das reine Auge der Wahrheit tat sich ihm auf, und er erkannte die Ursache des Entstehens und Bergehens der Wesen, die Ursache des Leidens, des Todes und der Wiedergeburt, aber auch das Mittel, dem Dasein und allem Leiden zu entgehen und den Frieden des Nirväna zu erlangen." Er war ein Vollendeter, ein Buddha geworden. Nachden: er die von ihn: gefundene Wahrheit in Benares, im Wildparke Jsipütana, zun: ersten Mal verkündet hatte, befahl er den Jüngern, die sich um ihn geschart hatten, seine Lehre in die Welt hinauszutragen und den „reinen Wandel der Heiligkeit zu verkünden, aus Mitleid für die Welt, zum Heile und zum Segen für alle lebenden Wesen". Aber auch er selbst strebte mit regem Eifer feine Lehre zu verbreiten und gewann bald tausende von Anhängern. Im zweiten Jahre seiner Lehrtätigkeit kan: Buddha auch nach seiner Heimatstadt wieder. Als ihn Jasodhara, sein Weib, im Gewände des Bettelmönchs vor sich sah, vermochte sie kein Wort hervorzubringen, sondern sank vor ihm nieder, umfaßte seine Knie und weinte bitterlich. Buddha tröstete sie, doch riß er sich wieder von ihr los, und als sein Sohn auf den Rat der Mutter sein Erbe von ihm verlangte, sprach er zu ihn:: „Mein Sohn, du begehrst von mir ein Erbe, das der Vergänglichkeit unterworfen ist und Leiden in: Gefolge hat. Ein solches habe ich nicht mehr zu vergeben. Aber die Schätze, welche ich unter dem Baum der Erkenntnis gewonnen habe, seien dein. Dies ist das geistige Erbe, das ich dir vern:ache, dies kann dir niemand entreißen." Und.