Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 10)
- Language
- German
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80 P. Krüger in seiner Schrift: Philo und Josephus als Apologeten des Judentums gelangt, nicht überall Billigung finden. Die Üebersetzungen dieses Historikers, die in englischer, französischer und polnischer Sprache unternommen wurden, werden das Interesse für denselben in weite Kreise tragen; A. Berendts bemüht sich, die Zeugnisse Christus sogar im slavischen Josephus §it beleuchten; das Buch von E. Bischofs: Im Reich der Gnosis, führt uns unmittelbar in die Kämpfe uni die Entstehung des Christentums, die auch in diesem Berichtsjahre das allgemeine Interesse in lebhafter Weise erregt haben. Indes haben wir uns in diesen Kampf nicht zu mischen, wir haben nur unseren Anteil an der Arbeit festzustellen, die das Christentum begründete, also an der vorchristlichen Propaganda und an dem Verhältnis, welches die rasch zur Ausnahme gelangende Tochterreligion zum Judentum in jenen Jahrhunderten eingenommen hat. Wenn ich schon vorhin bemerkte, daß im allgemeinen auch im nichtjüdischen Lager der Anfang zu einer gerechten Würdigung dieses Verhältnisses geinacht wird, und wenn ich dabei auf zwei der bedeutendsten Autoritäten wie Wellhausen und Budde exemplifizieren konnte, so darf man doch daraus nicht schließen, daß den: Judentum die volle Gerechtigkeit, die ihm gebührt und die es zu fordern hat, nunmehr auch zuteil wird. Im Gegenteil! Ich sehe dabei ganz von den: wahnwitzigen Treiben eines dilettantischen Kreises, der mit aller Gewalt Christus zum Arier machen und das Christentum so von seinem jüdischen Ursprung ganz loslösen will. Die Herren H. Chamberlaiwund Max Bewer sind hier die Hauptagitatoren. Derartige Bemühungen können in gelehrten Kreisen doch nur ein mitleidiges Lächeln Hervorrufen. Aber auch selbst in diesen Kreisen findet das Judentum noch immer nicht die Würdigung, die ihm zukommen würde, wenn eine genaue Kenntnis der jüdischen Quellen, vor allen: des talmudischen Schrifttums, bei denen vorhanden wäre, die dieses Gebiet zum Hauptgegenstand ihres Studiums machen.