Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 6)
- Language
- German
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26 gesetz ihr Anfang sei, so kann man sich des Gefühls nicht erwehren, daß hier, um zu widerlegen und zu berichtigen, noch eine Fülle von Arbeit für unsere jüdischen Forscher zu leisten sei, der sie sich nun aber auch auf keinen Fall mehr länger entziehen dürften, sollen nicht unsere wichtigsten Positionen mit der Zeit gänzlich aufgegeben und den Gegnern überlassen werden. Andererseits darf jedoch mich nicht verkannt werden, daß schon die bisherige Arbeit ihre Früchte getragen hat. Man wagt es nun doch nicht mehr, in der Weise, wie man es bisher getan hatte, von dem „Joch des Gesetzes", von der Verschrumpfung der Pharisäer, von ihrer Pedanterie und Disziplin zu sprechen, wie das bisher in den meisten einschlägigen Lehrbüchern geschehe:: ist. Selbst Wellhausen, der doch von den Pharisäern ein Bild entworfen, daß einen: modernen Menschen förmlich Gruseln einjagen könnte, sieht sich jetzt zu der ausdrücklichen Einschränkung genötigt: „Es ist jedoch nicht richtig zu glauben, daß nun unter dem Joch des Gesetzes alle anderen Triebe des geistigen Lebens verkümmert wären". Und Karl Budde geht in seinen: oben zitierten Werke noch erheblich weiter, in dem er sagt: „Wer mit den Apokryphen und Pseudepigraphen in eine Zeit geistiger Erstarrung des Judentums, als die man sich seine letzten vorchristlichen Jahrhunderte früher wohl vorgestellt hat, geführt zu werden glaubte, mag eines Besseren belehrt worden fein." Dieser Satz ist Goldes wert. Und da nach Lessing Jedermann sich seines Fleißes rühmen darf, so wäre es töricht zu verschweigen, daß es vor allem die unermüdliche Arbeit jüdischer Gelehrter gewesen ist, der wir dieses Heraufdämmern einer besseren Erkenntnis in erster Reihe zu danken haben. Und nun, nachdem wir den Sorgen und Kümmernissen unseres Herzens wieder einmal Luft gemacht habe::, schreiten wir in die weitgeöffneten Hallen der Bibelexegese ein. Wie in den früheren Jahren, so haben auch diesmal Deutsche und Engländer das Beste und Wichtigste geschaffen. Von der großen Cambridge Ausgabe der LeptnaAinta nach dem Text des Codex Vatieanus,