Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 5)
- Language
- German
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25 seit einem Jahrhundert in allen Zweigen dieser Wissenschaft mit Eifer und Treue geleistet worden ist. Nur auf einem einzigen Gebiete sind wir etwas zurückgeblieben, nämlich auf dem der Bibelforschung. Und hier liegen die Verhältnisse allerdings so. daß ein billigdenkender Beurteiler auch für dieses Zurückbleiben mannigfache Entschuldigungsgründe wird anerkennen müssen. Trotzdem erscheint es notwendig, inimer und immer wieder die Mahnung zu erheben, daß die jüdischen Gelehrten dieses ihr ureigenstes Gebiet nicht mehr den „Söhnen der Fremde" überlassen sollten. Außerordentlich wertvoll ist in dieser Beziehung das Geständnis, das einer der strengsten moderner Kritiker, nänllich Karl Budde, in seiner vortrefflichen Geschichte der althebräischen Literatur über die Bibel ablegt: „Und was uns endlich erhalten geblieben, ist weiterhin bis auf den heutigen Tag nicht nur von den Juden, sondern viel mehr noch von den Christel:, die es als heiliges Buch übernahmen, so oft mit Spaten und Sieb, mit Lampe und Schmelztiegel, mit Skalpell und Mikroskop durchforscht worden, daß es gleichsam in seine Atome aufgelöst vor uns liegt und kein Bestandteil mehr am andern haften will. Die übergroße Liebe, die allzueifrige Anteilnahme, die diesem Schrifttum zuteil geworden, ist nachgerade in eine Zweiselsucht umgeschlagen, der nichts mehr als sicher, alles als möglich erscheint, und jeder feine Kopf macht sich selbst das Fundament eines ganz neuen Baues aus dem alten Stoff." Dieses Geständnis können wir fast Wort für Wort unterschreiben, nur mit einer Einschränkung: Die Juden haben sich an dieser Minirarbeit warhaftig am wenigsten beteiligt. Wenn man z. B. in der neuesten Arbeit von Julius Wellhausen über die Israelitisch-jüdische Religion in den: Sammelwerk „Die Kultur der Gegenwart" kühne und geistreiche Hypothesen als authentische mit unvergleichlicher Sicherheit vorgetragen findet, wenn in dieser Geschichte ohne Weiteres wie ein Canon der Satz an die Spitze gestellt wird, daß mit dem System des Kultus die Geschichte Israels beginnte und das Ritual-