Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 10 (1907)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
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und fruchtbare Fach. Es scheint fast, als oü das System der Rechtsverweigerung, das auf so vielen anderen Gebieten dem Judentum gegenüber gehandhabt wird, auch seiner Wissenschaft gegenüber angewandt werden soll, und als ob die Missionsvolitik, die der Staat seinen jüdischen Bürgern gegenüber treibt, auch hier Platz greifen soll. Denn bezeichnenderweise dienen die einzigen einschlägigen Vorlesungen, die an zwei Universitäten nebenamtlich von evangelischen Theologen gehalten werden, ausgesprochen nur den Zwecken der Judenmissions anstatt (Iu8titutuiu Judaicum)." Diese Worte sollen nun nach der Ansicht von Eduard König, dem ordentlichen Professor der semitischen Sprachen an der Universität zu Bonn, „mehr als eine unberechtigte Anklage" enthalten. Der gelehrte evangelische Theologe begreift es nicht, daß eine Rechtsverweigerung darin liege, wenn an keiner deutschen Universität ein Lehrstuhl für die Wissenschaft des Judentums existiert, „da ja auch keine Lehrstühle für muhamedanische oder buddhistische Wissenschaft bestehen". Man sieht, daß also der Begriff der Wissenschaft des Judentums noch nicht einmal in beit Kreisen recht ausgefaßt wird, die es ctm nächsten angeht. Denn wenn Herr Professor König weiter sagt, daß das Neuhebräische von den Professoren für orientalische Sprachen „mitvertreten" werde, so ist das zunächst überaus charakteristisch für seine Auffassung der Wissenschaft des Judentums; sodann aber haben wir in den letzten fünfzig Jahren so köstliche Proben solcher Mitvertretung gehabt, daß wir gern auf diese verzichten. Aber es muß doch auch einmal ganz offen die Frage gestellt werden: wie viele Professoren für orientalische Sprachen an deutschen Universitäten verstehen denn überhaupt einen unpunktierten neuhebräischen Text auch nur zu lesen, geschweige denn ihren Hörern zu vermitteln? Der Hinweis auf Franz Delitzsch ist in dieser Beziehung gerade sehr wertvoll. Dieser Mann war einer der wenigen, der wirklich in der neuhebräischen Literatur bewandert gewesen ist. Aber wie viele Nachfolger hat er denn an den deutschen Universitäten? Perles fügt wörtlich hinzu: „So wie die Universitäten verschliefen sich auch die deutschen Akademien vollständig der jüdischen Wissenschaft.