Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 254 (sequence 56)
- Language
- German
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254 „Sie, die so sehr dir widerstrebet,^' wir woll'n von. dir sie trennen! Man darf sie nach rnosaischern Brauche dir nicht verbunden nennen; Flieh' über's Meer, bis dich ihr Bogen nicht wird erreichen können!" — Doch Serach erwidert: „Verhaßt Ist euer Rat und wir zur Last! Wie mich betrübt eu'r unstät' Sinnen, Als sei die Rettung also zu gewinnen? Denn nicht wie andern Frauen Ist den unfern zu trauen; So weit ein Ehemann auch entflohen ist. Sie zieht ihn stets zurück am Band der List. Nur Silber form hier retten. Das löset alle Ketten." — D'rauf jene: „Steht auf Gold dein Sinn, Das Geld nimm hin! Mög' es dich retten aus dem Argen; Denn dein Erlöser zählet zu den Starken." Da gaben die gold'nen Ringe sie ab; Ein Jeder zollt nach Kräften die Gab'. — Und Serach läßt Versammlung halten. Beruft auf den Markt die Jungen und Alten In großer Zahl, Da neigt er vor dem Volk sich sieben mal Und spricht: „Laßt mich zerreißen die Bande Voll Schmach und Schande! Ich bin an Geist und Leib Entfremdet diesem Weib'; Hier, gebt ihr dieses Geld, Das ich als Beistand mir bestellt! Furchtlos, wahrheitsgetreu mein Urteil sprecht. Denn Gottes ist das Recht!" Da scheidet sich im wogenden Gedränge In zwei Parteien schnell die Menge; Die eine ruft: „Verjag', die dich nicht gehen läßt; Schick' fort den Vogel von dem Nest; Du mutzt nicht die Verschreibung halten; Verwünscht sei Kosbis und Scheker's Walten! Solch greisen Sündern geh' nicht mehr zur Seite — Zieh' hin, Gott gibt dir das Geleite!"