Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 55)
- Language
- German
- Belongs to
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253 Löscht meiner „Kohle" Brand! Denn neiget sich das Glück zum End', Dann erst der Frennd den Frennd erkennt." Und er begann sein Lied und sang: „Ihr teuren Brüder, schaart euch! Helft mir vor Unglück's Feindschaft Wann Glück sich ändert,'dann erst glänzt unverändert Freundschaft." — Die ganze Nacht nun sinnen die' Gefährten, Ob ihm vielleicht Erlösung könne werden; Verschieden äußert sich ihr Sinn. Der Eine spricht: „Er ernte den Gewinn Des Ungehorsams gegen solchen Vater; Aus seinem Hause weiche nie der Hader! Nicht zu erleichtern ist sein Joch, In das er, sich emiedemd, kroch. Schwarzkohle hat sein begehrt; Nun hat ihn die Glut verzehrt; Wie wollt ihr Reinigung _ihm spenden, „Da er die Kohle in den Händen?" Doch Brudergut spricht: „Uebt so man Freudespflicht? Des Unglücks Feuer schürt man nicht! Bezahlet mit Bösem nicht das Böse; Pflicht ist's, daß man den verkauften Freund einlöse. D'rum brechet dem Bruder nicht die Treu', Den Freund zu drängen, fühlet Scheu. Wir müssen seine Ketten brechen! Wo ist ein Frommer ohne Schwächen?" — So pflegten diese drei nun Rat Und fanden zum Entrinnen keinen Pfad, Als daß er ergreife die Flucht, Auswändernd zu der Aramäer Bucht. Und wie der Morgen naht. Da teilen sie ihm mit den Rat Und sprechen: „Fliehe, flieh' in aller Zeit Bis hinter Babel und Elam weit; Nur das allein Kann deines Fehltritts Heilung sein!" Und sie begannen ihr Lied und sangen: