Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 251 (sequence 53)
- Language
- German
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251 Ha, bitt'res Urteil, das die kluge Seel' ihm spricht! — Was sollst du Leben mir? ich leist' auf Glück Verzicht O Welt, du Lügentraum! das ist dein Wahngesicht! —" D'rauf nahm Freund Brudergut das Wort und sprach: „Um keinen Toten sollt ihr Trauerlieder singen; Doch weint um den, der seufzt in Eh'stands Schlingen; Aus Fisches Magen Jona tat entrinnen. Aus Weibes Fesseln ist kein Ausgang zu gewinnen. Du setztest einen Menschen dir auf's Haupt, Hast selbst der Freiheit dich beraubt. In Übermut'gen Herzens Unterfangen Bist du in's Netz gegangen; Hast Anderen stets treu geraten. Wo sind nun deine Heldentaten? Gestern noch König, Heute dem Unheil untertänig; Gestern, geschmückt mit Kronen, Heute der Spott der Nationen; Gestern ein Löwe an Kraft, Heute zur Ohnmacht erschlafft; Gestern ein Tannenbaum, Heute ein Zwerglein kaum; Gestern dein Wort als Gebot betrachtet. Heute dein Name allwärts verachtet! — Umsonst nicht wirst du nun „Serach" genannt; Denn flammend ist dir auf die Stirn gebrannt Das häßliche Zeichen, Daß du der „Lüge" geworden zu eigen! —" Und er begann sein Lied und sang: „Wer seines Vaters Rat nicht folgt, stirbt durch sein Weib, ein Nabal Auf seinen Höhen rufet aus Verwünschung statt am Ebal." Und auch der Dichter ergreift das Wort und spricht: „Auch ich darf nimmer schweigen. So lang' Gedanken mir entsteigen; (Da meine Wehen den deinen gleich!) Dein Los erpreßt mir bitt're Klagen; An deinem Schicksal Hab' ich schwer zu tragen. Es ist nicht auszusagen! Wie hast du dein Lager dir schlecht gemacht!