Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
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242 Beginnt sie wieder ihr Lied: „Serach! bei der Geburt ward einst rotseid'nes Band Vielleicht dir an den Mund geknüpft statt an die Hand?" *) Dies Lied mit schelmischen Sinn Nimmt Serach bewundernd hin. Ihm dünkt es aller Orten Sei solches nie gedichtet worden. Und er erwidert im Liede: „Zum Ziel sich Männerherzen setzend, wie sicher trifft dein Bogen; Die du erlegt, aus deinen Lippen schrei'n ihres Blutes Wogen! Bei mir doch zogst du ein; gefällt dir das Zelt, das du bezogen?" Nun fuchet die Schöne neuen Rat, Zu führen ihn auf der Liebe Pfad, Mit schmeichelnden Worten sie ihm naht; Und wieder beginnt sie das Lied: „Dein hoher Wuchs, mein Freund, legt dir die Welt zu Füßen; O schreite stolz einher! ich will als Herrn dich grüßen." Und Serach dürstet in würdigen Bildern Den allerliebsten Bau zu schildern; Und er beginnt sein Lied: „Dein schlünker Hals, die Säul' von Elfenbein, Ruht herrlich wie auf edlem Marmorstein. O schließ' ihn nicht mit gold'nen Ketten ein! Was du nicht bist, kann dir nicht Schmuck verleih'n." Da dachte die Jungfrau, wie herrlich er spricht. Wie ist er ein Meister im Gedicht! dtun will ich ihm mein Innerstes entdecken. Begierig, welche Gegenred' wir wecken! Und sie begann ihr Lied und sang: „Freund, deine Liebe will mir das ganze Herz anzünden! Sie zehrt mich auf, ich werde in Nichts zusammenschwinden! In eines Mückleins Auge könnt' ich nur Zuflucht finden!" — Da rief er laut: „O Schwester Braut, Durch das, was du gesungen. *) 1. B. M. 36. 18.