Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 43)
- Language
- German
- Belongs to
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241 O holde Traube mußt du nicht erschrecken, Da Rabenschwingen dir das Haupt bedecken?" Wie nun die Jungfrau sieht. Sie steig' auf seiner Beifalls Stufe, Und daß ihr lieblich Lied Die Wünsch' aus seinem Busen rufe. Da begann sie wieder und sang: „D fürchte nicht, wenn Tod Aus der Gazelle Augen droht: Wirft gleich dem Schlangenbiß ihr Blick dich nieder — Schau' aus, Verwundeter, und lebe wieder!" Da rufet Serach: „Wie mich dies Lied entzückt. Auf dessen Urgrund die Liebe blickt!" Und er begann und sang: „O wende deine Augen weg, die jetzt mich stolz erheben; Da drücken deine Wimpern ab, ein Pfeil durchbohrt mein Leben Und sie, aus holden Mundes Pforte, Erwiderte ihm schnell die Worte: | „In eines Hirschleins Angesicht, Zwei Sterne spenden freundlich Licht; Und eine rote Rose prangen Sah ich im Garten feiner Wangen; Stets leuchtet seiner Augen Rahmen, Hellstrahlender*) ist d'rum sein Namen." — Darauf im Wechselgang Beginnet er wieder den Sang: „Schönauge, sprich, was Hab' ich dir getan. Daß neckend du verfolgest meine Bahn? Wollt ich auf deinen Rosenwangen wohnen. Ha, Flammenengel seh' ich droben tronen!" Und wie sie nun sieht. Daß Rosen seine Lippen kränzen. Die herrlicher als Perlen glänzen. *) „Serach". 16