Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 240 (sequence 42)
- Language
- German
- Belongs to
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240 Der Sonn' von dunkeln Wölklein eingehüllt; Wie groß ist seine Anmut, welche Wir wünschen uns zum Freudenkelche. Er, der belebt die Einsamkeit, Er mache deinen Sinn bereit. Daß Früchte spende deine Frühlingszeit. Wie göttlich ist der Liebe Pfad! Wie schön die Stunde, da sie naht! Sie trieb mich an, hierher zu gehen, Gon Aug' zu Auge dich zu sehen. Komm' mit! Dich soll die Treu' entzücken, Latz uns im Garten Rosen pflücken; Hell grünt die Flur, des Weinstock's Duft, Wie des Granatbaums, würzt die Luft. Auch meine Blüten weih ich Dir, Geliebter, komm', o komm' mit mir! Der Liebe Lust, der Liebe Spenden, O ernte sie mit beiden Händen!" Wie er nun schaut die holde Wange Und sie bewundert im Gesänge, Das Mädchen ihm gar wohlgefällt Und seinen Beifall schnell erhält. Er spricht: „Jst's Torheit auch, auf Mädchen zu schauen. Von Gott auch kommen verständige Frauen; Klugheit und Schönheit erbtest du — Das ist ein herrlich Weib — ich geb' es zu!" — Und so vergißt er des Vaters Rat Und tritt auf den unebenen Pfad; Von Gott ging aus der Bann, Sein Mißgeschick begann! — Und Serach, Meister im Gedicht, — Vor ihm gab's seines Gleichen nicht — Er schickte sich an zu erwidern, Ihr Wort in sinnigen Liedern. Er sang: „Dein Antlitz gleicht dem Morgen klar. Der dunkeln Nacht dein Lockenhaar;