Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 41)
- Language
- German
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289 Die Seele, die holde. Ich opfere sie nicht dem Golde. Denn Reichtum ist ein falscher Mann, Legt feine Herren in den Bann; Trau' diesem Knecht', du hast den Lohn, Daß er dir nächtlich geht davon, Drum ist vom Aug', das euch verachtet, Gold falscher Münze gleich geachtet; Und wer auf Gott setzt fein Vertrauen, Der wird auf Mammon's Grund nicht bauen. Auf Goldes Glanz nicht neidisch schauen; Drum wirft du mit Gold den Weifen kirren; Der Toren Schicksal mir gebührte. Wenn ich dein schimmernd Gold verführte. — Als Kosbi sah, verloren sei ihr Wort, Da machte sie sich fort Und sprach zum Gatten: „Jetzt ist es Zeit, Zu holen die wonneherrlichste Maid, Die wir gefunden weit und breit; Vielleicht, daß Lippen- und Wangenblüte, Der Schein der Schönheit, sein Gemüte Zur Sinnesänderung hinreißt. Denn wandelbar ist Männergeist." — Da gingen sie zur schönsten der Schönen, Um sie zu schmücken und zu krönen. Da stand sie wie durch's Morgentor Die Sonne glänzend tritt hervor! — Auch trat sie, fürstlich gekleidet. Von ihren Mädchen geleitet. Auf's liebende Herz sie deutet. Schuldlosen unschuldig sie Schuld bereitet; Sie schweiget, doch ihr Blick arbeitet, Ihr Fuß bald vorbald rückwärts schreitet . . . Drauf nimmt sie die Harfe, die Saiten anziehend, Und Töne entlockend, wie Rosen blühend, Vor Serach trat sie, mit wehmutsvollem Klang Begann sie ihr Lied und sang: „Des Freundes lockicht Antlitz ist ein Bild