Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 233 (sequence 35)
- Language
- German
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233 Doch Kosbi nahm den Teufelsbann Und was des Menschen Herz bezaubern kann. An Kleidern, Gold und Silber reichen Zoll, Sechs ganze Wagen voll, Lud ein die Jungfrau die entzückende, Die seelenerquickende, „Ajala^j genannt, war sie dem Rehe gleich Aus Edens göttlichem Bereich. — Dann an den Gatten sie die Frage tat: „Sag an, was ist dein Rat, Wie fangen wir's an. Daß wir bekehren solchen Mann?" — Er sprach: „Geh du zuerst in's Haus Und schilt ihn wacker aus. Dann komm ich selbst zum Ort, Bekräftigend dein Wort." — Nun hielt der Alte sich nicht auf. Beginnt Hoffnungssiisch den Lauf, Das Opferwerkzeug nahm er mit; So förderten die Drei den Schritt — Doch Kosbi betete also: „Wie ist mein Herz so wenig froh! Du, Herr, in deinen feuchten Höh'n, Der uns mit Tränen reich verfeh'n, Du Männerfreund, Du Weiberfeind, Gabst Männern Ruhm, des Bartes stolze Gab', Doch uns der Sehnsucht Glut und schaurig Grab, Gib, daß den Mann ich überwinde, Daß ich um's Aug ihm leg' die Binde, Daß er zur Schuld noch füge Sünde! —" Und als sie gebetet zum Herrn der Welt, Trat sie zu Serach in das Zelt; In seinem Paradiese ahnt' er nicht, Daß jetzt von ihm wich des Ewigen Licht; Und Kosbi, die schändliche, trat ihm nah'. Sein Unglück stand leibhaft vor ihm da! — *) Rehweibchen.