Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 232 (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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232 Die Kraft und aller Mut war hin; Erstorben war ihm das Herz, Die Seele verzehrt von Schmerz! — „Was fehlet Dir?" die Freunde fragen; „O, Bruder, warum so niedergeschlagen?" Da sprach er: „Mir drohet Gefahr! Ein schrecklich Gesicht ward mir offenbar." — D'rauf Jene: „Gott möge deinen Frieden bewachen! Willst uns von deinem Traum Mitteilung machen!" — Und wie er ihnen nun den Traum erzählt Und keinen Umstand ^verhehlt. Da riefen sie: „Gott will dir zeigen. Welch Schicksal dich wird erreichen! Das Ungetüm und der dunkle Raum, Die sind zusammen nur ein Traum. Denn Gottes Zorn ist über dich ergangen. Der Eh'stands Abgrund wird dich umfangen; Den Weg aller Esel wirst du gehen. Beweibt wird bald dein Aug' dich sehen; Das ist das Ungetüm, dir bringend Tod, Der Abgrund, welcher Verderben droht; Du aber Freund, o zürne nicht. Daß wir nicht besser deuten dein Traumgesicht"! — Doch Serach, wie er solches gehört. Da fuhr er sie an, tief empört: „Daß doch das Mißgeschick Auf eu're Häupter kehre zurück; Daß ihr dem Hohne verfielet als Beute Für euer entsetzlich Traumgedeute; Daß Gott zum bleibenden Angedenken Euch möge Frauen schenken. Denn Lug habt ihr erdichtet. Unfreundlich mich berichtet! Ist euch das Sprichwort denn nicht bekannt: „Man male den Teufel nicht an die Wand?" — Da kehrte sich Lieb' und Freundschaft In Neid und bittere Feindschaft, Da lösten die Freunde den schönen Verein Und ließen den Zornerglühten allein. —