Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 231 (sequence 33)
- Language
- German
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231 Und neuer Schrecken die Seele traf; Von Nacht umhüllt, von Angst betreten. Hört er den Geist noch ferner reden: „Sprich, du im Wonnebettlein, von Rosenduft umhaucht, „Wo ist das Glückskind, welches die Zeit in Leid nie taucht Der war noch sprechend. Da tönt' es wie Donner, Berge zerbrechend: Erwach! Denk nach! — Dein Unglück ist nah'! — „Unheilvolle Zeit ist da — ist da!" — Des Morgens rief er seine Gefährten, Die wohlbelehrten. Im Rate bewährten. Um ihnen zu vertrauen Das nächtliche Grauen, Und was er tat schauen. Sie sprachen: „Aus Träume nicht achte. Entstiegen des Leibes Schachte; Sie sind nur Lügenpropheten, Die entmutigend reden." — Doch als er an die Tafel gesetzt, Ihn nimmer das Gespräch ergötzt. Die Ahnung des Unglücks ihn bedrängt. Das über ihn Gott verhängt! — Und wieder um Mitternacht, Wenn Schlaf die Wimpern schließt mit Macht Gott schauend, des Denkers Seel' nur wacht. Da trug ihn der Geist in Waldesgrund, Zu Leuen und Tigern mit off'nem Schlund, Und siehe ein Ungetüm Faßt ihn mit Ungestüm Entsetzlichen Tod ihm zu bringen, Lebendig ihn zu verschlingen! — Und verzweifelt erwacht er kaum. Da hat er schon einen zweiten Traum: In einem fremden Land Stand er an dunkeln Abgrund's Rand', Schon wich die Erde seinem Tritt, Und er in die Grube glitt! — Des Morgens war verstört sein Sinn,