Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 228 (sequence 30)
- Language
- German
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228 Wer ist es, der ruhig bleibe. Das Gewand der Beschimpfung am Leibe? Auf, ratet wider den Knaben! Die Frauen müssen Männer haben; Nur er ist unser Mißgeschick — Stürzt ihn, dann kehren die Männer zurück. Drum wollet euch nicht zur Ruhe begeben; Denn Jener hat verwirkt das Leben. Auf, steinigt ihn! Kein Anwalt sei ihm bestellt. Denn er hat geschmäht die Frauenwelt! Wo sind die Besitzer von durchtriebenen Sirenen, Daß sie uns Ränke spinnen? Wo sind der Frauen berühmte Listen? Die Plänchen, die in ihnen nisten? Wo ist ihr Trugsinn? ihr Lugsinn? Ihr Klugsinn, ihr feiner Geruchsinn? Ging unser Witz zu Grunde? Gibt's keine Retterin in unserem Bunde? Durch einen Mann soll unser Licht ersterben? Ein Sünder soll so viel Glück verderben? Nein! er soll des Todes sterben. Und Rache wollen wir erwerben; Die Weisheit Serach's soll man vernichtet sehen. Und Vater und Sohn soll'n wieder nach Frauen gehen Und unter den Frauen ein Weib aufstand. Mit allen Zauberkünsten wohlbekannt. Voll Witz und voll Geistesglut, Die nicht erlosch in der Redeflut Und „Kosbi"* **)) war sie genannt, (Der Trug war ihr väterlich Erbland): Und sie war verbunden mit einem greisen Ehemanne, „Scheker"^) geheißen. Von dessen Tücken zu erzählen. Es würd' an Raum in Folianten fehlen. Sie sprach: „Ihr Frauen, redet nicht so viel. Setzt euren Zungen doch ein Ziel, *) Trägerin. **) Lüge.