Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 227 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Drum, wer ein Weib hat, der suche, daß frei er werde. Daß er nicht enterbt sei auf dieser Erde; Was sollen die Worte, die leeren? Der Weise wird durch die Tat sich bewähren!"- So wirkte Serach fortwährend. Durch seine Gedanken Toren aufklärend; Die Weisen folgen und weichen nicht von der Bahn, Auch viele vom Volke nehmen die neue Lehre an. Die Ehrfurcht vor Serach hat's ihnen angetan. Und überall, wohin die Lehre Serach's dringet, Sie Wermut und Bitterkeit den Frauen bringet. Und alle sich vereinen. Die Witwen und Jungfrauen, die großen und kleinen. Entsetzt, gekränkt. Zur Ratsversammlung die Schar sich drängt, Erbittert, erschüttert. Die ganze Seele zittert. Aach ihrer Weise in Gruppen sie stehen. Mit ganz entstelltem Ansehen, Gewaltig ist das Getöse, Wie ihres Schmerzes Größe; An wächst das Getümmel, Und ihr Weheruf tönt gen Himmel: „Was ist des Verderbers Recht, Der in Unheil stürzet unser Geschlecht? Der unser Tun aufgedeckt. Die Männerwelt aufgeschreckt. Daß Keinem Liebe das Herz erweckt? So hat er uns hingestellt zum Verhöhnen; Hin welken die blühendsten Schönen; Kein Mädchen kann Frau werden. Die Jungfer muß grau werden; Die Worte Serach's zum Schreckbild uns machten. Daß sieben Frauen 'nach einem Manne schmachten — Erkennet es! Sehet es ein! Das Unglück ist wahrlich nicht klein. Die Mädchen sind lauter feste Städte, Und Niemand, der Lust sie zu nehmen hätte.