Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 21)
- Language
- German
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219 Und er begann sein Lied und sang: „Gott war mir gnädig, in Huld erbötig, im heil'gen Schimmer fah'n ihn die Blicke; Hab' viel erfahren, bin Greis an Jahren, doch hört' ich nimmer von Witwer-Glucke. — Mein Sohn! Dein Haben und Sein Gehöre nur dir allein; Sei nicht der Dirnen Hirt, Ob dir auch nicht Sohn und Tochter wird! Denn diese — sie suchen Heiraten sich aus. Du widersprichst und führst nichts hinaus; Und die du nicht duldetest im Hundehaus, Die zehren dich auf in Saus und Braus. Ach, die dir Verdruß und Leid zuwenden. Das fürd oft die Sprößlinge deiner Lenden! Drum, Sohn, nimm dich in Acht, Vor der Gesinnung Niedertracht, Daß du nach meinem Tod' Verschmähtest mein Gebot, Und sprächest: „Da sind ja die Frommen, Zu Jahren und Einsicht gekommen. Und haben doch Weiber genommen!" — O schwöre nicht auf der Meister Namen; Nicht werde dein Schrecken erfüllter Wünsche Rahmen; Man mutz nicht an Guten d as Böse nach ahmen! — Mein Sohn! entferne Unheil aus deiner Klause, Und Blutschuld aus deinem Hause, Daß nicht den Jüngling schon Tod umbrause. Nicht mittags die Sonne schon mache Pause. Laß ab von der Ehe Plagen; Für einen Mann zu schwer zu tragen! Wer sich dem Ehestand verspricht. Der leistet auf alle Lust Verzicht. Sein Dasein — kurz, mit Leid befrachtet; Sein Reden nirgendmehr beachtet; Sein Antlitz — tief von Scham erglüht. Daß staunet, wer des Weges zieht! Sein Schritt jetzt kurz, sonst weit und schnell; Vertrocknet seiner Säfte Quell;