Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 218 (sequence 20)
- Language
- German
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218 Unheilvoller Beirat! Wie manchen Haft du versprochen Gold, Am Ende doch nur Schmach gezollt! Wie mancher hat, ach, nicht zum Frommen Den Geldsack in die Hand genommen! — Drum, Sohn, fein klug! — Dem gold'nen und silbernen Trug Sei nie dein Herz ergeben, „Denn wer Geschenke haßt, wird leben". Von allen schlimmen Dingen Kann Rettung dir gelingen; Allein von schlimmer Ehe — O unergründliches Wehe! — Daß doch dein Sinn den Spruch verstehe! — Und er begann sein Lied und sang: „Wenn ein Weib im Norden hauset, wende du den Blick nach Süden! — Hörst von einem Ort du Schlimmes, wird er nicht von dir gemieden? — Faßt sie liebend dich am Kleide — laß dein Kleid! — dich selbst zu hüten!" — „Mein Sohn, heut' erneu' ich dein Leben! — Stets hielt ich dich an zu redlichem Streben, Verständigen Sinn Hab' ich dir gegeben. Zum Haltpunkt für des Geistes Reben, Um dich zu stärken, zu erheben- O hüte dich vor Weibes Netzen, Ich wünsche Feindschaft zwischen dich und sie zu setzen; Nicht ihre Schönheit kirre dich, nicht ihrer Reize Macht; Denn Helden hat sie viel gestürzt und Riesen umgebracht. Mein Sohn, vergeude nicht deines Leibes Schöne, Damit du nicht fallest, und Schande die Würde kröne. Denn bist du noch so herrlich und groß. Des Todes Schauer sind dein Los; Sie wird dich in den Abgrund betten Und deine Manneskraft dich nimmer retten; Dann ist sie als Witwe die Ueberlebende, Denn Witwer wird nicht der Edelstrebende! —