Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 211 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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211 Magst Weisheit du als Mutter ehren; Doch willst du liegen auf seidenen Kissen, Dann laß die Treue und hasse das Wissen! Drurn fort rnit der Zucht, Sie werde nicht aufgesucht! Fort rnit dern Verstand, Ihm wolle nicht sein verwandt. Und die sich die Weisen nennen. Nie wolle sie kennen! Es ist ja Torheit, nach Weisheit graben. Und Weisheit, die Torheit im Munde haben! Ab stößt die Zeit der Vernünftigen Zunft, Ein Quentchen Torheit ist schwerer als alle Vernunft!" Da jauchzet das Volk: „Der König soll leben. Und möge dein Abgott dich schützend umschweben! Haßt unser König die Zucht, Dann blühet auch uns des Glückes Frucht! Wir tun es ihm gleich .Im ganzen Reich! — Denn die sind von Gott geschlagen. Die sich mit der Weisheit tragen; Seit wir sie bei Seite gesetzt. Wie uns das Leben ergötzt! Doch wer sie hegt, vererbet Luft Und sinkt verarmet in die Gruft. Die Welt bewährt der Narrheit Gaben Und Weisheit wird nicht Vorzug haben; Ihr Quell verbittert nur das Sein, Viel wissen bringt nur Schmerzen ein. Seht nur die viel wissen! Sie müssen den Reichtum missen; Seht nur die Gelehrten! Sie sind die von Allem Entleerten. Indessen die Leeren Gott erfüllt. An ihnen sein Wächteramt enthüllt. — Erhebt nun die Narren.ihr Narrentum, So schweige der Weise von seinem Ruhm! Wo Weisheit sich mehrt, da mehrt sich Verdruß — Drum freut euch der Narrheit — sie bietet Genuß!" 14*