Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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210 hat. — Dieser hohe Meister war mein Vorbild, dem gleich kommen zu wollen, ebensoviel Selbstüberschätzung als Selbsttäuschung wäre — aber: „petere liest", nachzustreben ist gestattet! T In einem Lande lebten einst Richter, Die waren wahre Rechtsvernichter; Die Einsichtigen wurden vernichtet. Die Unterrichteten zu Grunde gerichtet. Da grünte der Frevel und blühte die Schuld, Gewalttat stützte der Stab der Huld. Und „Schlechtmann" schlug auf sein Zelt, Und „Rechtmann" floh aus der Welt. Doch auf breitem Grund war Torheit zu sehen, Ihr Giebel reichend in Himmels Höhen. Da ward Verstand in Fesseln geschlagen. Das Haupt gedrückt bis unter den Magen; Und Torheit sprach: „Hier sitz' und schweige, Bis ich komm' und Dir die Wege zeige." — Und König „Zankmann" hört von dem Lande, Der sammelt um sich die ganze Bande Der Niederträchtigen, Im Bösen Mächtigen, Im Guten Schmächtigen; Und Lugmann und Trugmann und Schandmann Stellt er als Minister im Land' an. Tut sie zu Führern des Volkes ernennen, Weil die krummen Wege sie bestens kennen. Und die klugen Leut' sperrt er in den Block, Und macht zum Obergärtner den Bock, Und spricht: „Mein Volk, die Torheit soll leben! Ihr Bild will ich zum Gotte erheben. Aus allen Völkern und Reichen Soll'n die Weisen und ihre Rätsel weichen. Jst's doch eine Schande, Sie zu dulden im Lande! Denn willst du Brod und Kleid entbehren.