Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Der Weiberfeind
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 208 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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208 ist eö gar keine Frage, daß der ganze Kreis dieser Dichtungen, dieser Rügenlieder und Schmähgedichte gegen die Frau von außen her, vornehmlich von den Troubadours, zu den jüdischen Dichtern Spaniens und der Provence gedrungen sind. Aber es ist sehr interessant, daß, da einmal der Anfang gemacht ist, die Mode von den späteren Dichtern fortgesetzt wird. Um die Wende des 16. Jahrhunderts entspinnt sich ein neuer Sängerkrieg um die Frau in Italien. Abraham aus Sarteano übernimmt die Anklage, Abigdor aus Fano die Verteidigung, und Elia aus Genezano die Entscheidung, in dem mit Tadel begonnen und mit Lob für die Frau abgeschlossen wird. Der ganze Sängerkrieg ist ein Nachklang der romantischen Dichtung der Renaissance, die den Kultus des Schönen auch unter den Juden verbreitete und dessen Verehrer sicher in manche Konflikte mit den herkömmlichen Anschauungen brachte. Ein halbes Jahrhundert später findet der letzte Sängerkrieg gegen die Frau in der jüdischen Poesie statt. Ein Ungenannter hat die Frau wieder einmal zum Gegenstand seiner dichterischen Angriffe gemacht, die Leone di Sommi aus der Familie Porta Leone abzuwehren unternimmt. In fünfzig hebräischen Vierzeilern, die von ebenso vielen italienischen gleichsam umrahmt und durchwirkt und von einem schwungvollen Gedicht eingeleitet werden (MagenlSTaschim, Der Frauenschutz) übernimmt er die Verteidigung des weiblichen Geschlechts, das in erlauchten Beispielen aus der biblischen, der griechischen und neueren Geschichte gleichsam seinen eigenen Sachwalter vorführt. Ihm ersteht ein Gegner, der auf anderem Gebiete sich bereits hervorgetan, Jacob den Elia di Fano, der in seinen Schilte Hagiborim (Schilde der Helden) den fünfzig Strophen des Frauenlobs sechzig stachliche Terzinen des Frauenhasses entgegenstellt. Auch diesmal sollte Meister Frauenlob den Sieg davon tragen. Ein Poet, der beide Dichtungen gegeneinander abgewogen, läßt den Streit durch eine Frau Deborah zu Ungunsten des Weiberfeindes schlichten. In poetischer Wechselrede Lauschen Deborah und Jacob Anklage und Verteidigung aus, bis sich letzterer, von einer Flut von Anschuldigungen überschwemmt, beschämt zurückzieht. Am Schluffe entscheidet der Mitstreiter Barak ben Abinoam, die sechzig Schilde der