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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 207

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Der Weiberfeind
Date
1906-01-01
Page
Seite 207 (sequence 9)
Language
German
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207 ihre Gedichte mit dem Verstände machte und in der Regel nichts besang als die wahren oder eingebildeten Vorzüge der ersten Frau ihres Hofes. Sehr oft ist sie ohne Tiefe, ohne Kraft, ohne Hoheit. „Selbst wenn es der Dame des Herzens galt, war die Vergötterung eine unnatürliche. Das Herz war dabei nicht im Spiel, wohl aber Rücksicht auf Geschenke und gute Tage". Ging es aber gegen die Frau, so war der Spott, ja der Hohn ein ganz anderer, als in den Gedichten unserer Troubadours. Man lese nur, wie der Mönch von Monraudon oder der Troubadour Markabrunn die Frauen verspottet. Der erstere erzählt in seinem Gedicht: Vor Gottes Angesicht wird offenes Gericht gehalten zwischen den Mönchen als Klägern und den Frauen als Beklagten. Jene klagen, daß sich die Weiber der Malerei, einer mönchischen Erfindung, ganz bemächtigt hätten und durch die Röte ihrer geschminkten Wangen die Votivgemälde der Kirchen und Kapellen verdunkelten. Die Frauen dagegen behaupteten, sie seien vor der Erfindung der Votivgemälde im Besitz der Malerei gewesen, und eine von ihnen bemerkt, sie sehe nicht ein, was die Mönche verlören, wenn sie den Spöttern zum Trotz sich die Falten unter den Augen zu bemalen und verstecken wissen. Da der Streit immer heftiger wird, legt sich der Liebe Gott ins Mittel. Er fordert die Mönche auf, den Frauen, die nicht über 25 Jahre alt sind, ferner 30 Jahre zum Schminken zu vergönnen, allein die Mönche weigern sich und wollen nur aus Gefälligkeit für Gott zehn Jahre unter der Bedingung zugestehen, daß sie alsdann in Frieden gelassen werden. Endlich bringen St. Peter nnd St. Lorenz einen Vergleich zustande. Jede Partei gibt fünf Jahre nach. So vereinigt man sich auf 15, allein dieser Vertrag wurde, wie der Dichter bemerkt, von den Frauen niemals innegehalten. Sie legten weiter so viel Weiß und Rot auf, wie kein Votivgemälde der Welt. Wie armselig und unnatürlich ist das alles! Dagegen ist unser Jedaja wirklich ein großer Dichter. Seine Satire geht aus einer humoristischen Weltanschauung hervor, welche die Jrrtümer und Laster der Zeit mit scharfem Spott und mit sittlichem Pathos in komischer Darstellung geißelt. Trotzdem

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