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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 206

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Der Weiberfeind
Date
1906-01-01
Page
Seite 206 (sequence 8)
Language
German
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200 die Frau als alles beherrschende Herrin in die Gesellschaft ein; aber sie zerriß auch, der Convenienz der Ehe die freie Galanterie gegenüberstellend, vielfach die Bande edler Häuslichkeit, reiner Sitte und guter Zucht." Es ist ein deutscher nichtjüdischer Literarhistoriker, der diese Schilderung entwirft. Die provenzalischen Troubadours hatten förmlich eine Symbolik und Wissenschaft der Liebe ausgebildet. Mit der sozialen Geltung der Frau war auch ihre Eitelkeit in entsprechendem Maße gestiegen. Sie steigerte die Ansprüche, die sie an ihre Verehrer stellte, zuweilen bis ins Unglaubliche. Von dem provenzalischem Troubadour Peire Vidal wird erzählt, daß er sich seiner Geliebten zu Gefallen, welche Loba (Wölfin) hieß, in ein Wolfsfell steckte und auf allen Vieren kriechend in den Bergen umherkroch, bis ihn die Schäferhunde jämmerlich zurichteten. Und der deutsche Minnesänger Ulrich von Lichtenstein läßt sich für seine Herrin die Finger krumm und steif stechen und unter die Aussätzigen mischen, um ihr sein Siechtum und seine Liebe zu klagen. Von diesem Hintergründe hebt sich das Bild unserer armen jüdischen Dichter gar seltsam ab. Man darf es wohl sagen: die Juden allein hatten den gesunden Sinn, die Frauenliebe auch in jener Zeit in den sittlichen Grenzen zu halten und richtig zu würdigen, ja im großen und ganzen der Mutterliebe unterzuordnen. Wenn es in der neuhebräischen Poesie trotzdem nicht an Neckereien auf die Frauen fehlt, so erfüllt sich hier vor allem das Sprichwort, daß man aus diesen Scherzen gerade die Liebe erkennt, die Mann und Weib für einander beseelte, wie etwa Josef ibn Sabara in seinem „Buch der Tändeleien" alle möglichen Scherze gegen die Frauen vorbringt und dann zum Schluffe seine Leser mit dem Vers entläßt: „Ein bied'res Weib, o welch' ein Fund! Wer sie besitzt, ist wahrhaft reich! Die Perle auf dem Meeresgrund Kommt ihr an Kostbarkeit nicht gleich!" Man vergleiche damit, in welcher Weise, die altfranzösische Romantik die Frauen behandelt. Nur gar zu oft ist die ganze Troubadour-Poesie nichts als eine Wortspielerei, welche

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