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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 193

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Gestalten aus dem Osten
Date
1906-01-01
Page
Seite 193 (sequence 33)
Language
German
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193 fühlt die Steine nicht, die seinen Rücken treffen; er hat nur einen Gedanken; schnell in das Städtchen zu gelangen und dort mit Hilfe eines halben Rubel, den er in der Tasche hat, und der sein ganzes Vermögen bildet, den Feldscher zu einem Besuche bei der kranken Frau zu bestimmen. Atemlos gelangt er in die Wohnung des Feldscher, der für sehr geschickt gehalten wurde, und der auch zu einer Armen eher gehen wird, als der vornehme Herr Doktor. Nach vielen Bitten und nach llebergabe des halben Rubel läßt sich der Dorfarzt herbei, die Kranke aufzusuchen, und still vergnügt trabt Moses wieder hinter der Britschka des Baders in sein Heimatsdorf zurück. Nach einem Blick auf die armselige Einrichtung der Stube schaut sich der Dorf-Aeskulap die Kranke an, dann wendet er sich kopfschüttelnd ab. „Nu, nu, Herr Doktor?" frägt ihn Moses, „werden Sie ihr helfen? „Da ist nicht viel zu helfen," meinte achselzuckend der Bader, „die Frau kann Influenza haben, oder gar Typhus, wer weiß, was — wie alt ist sie denn?" „Ich glaube, daß sie ist schon über siebzig," antwortete Moses. „Nun siehst Du, da ist nicht viel zu machen, warum hast Du mich denn herbemüht?" „Euer Wohlgeboren werden verzeihen, aber es war mir weh' um die Kranke . . . ." „Scher' Du Dich um Deine eigene Nase," lachte der Bader, „die ist lang genug und Plage nicht uns arme Christenmenschen.gib der Alten ein paar von diesen Tropfen, die ich mitgenommen Hab' und wenn das nicht helfen wird, mach' ihr ein Paar warme Tücher," und damit wendet er sich zum Gehen. Da tritt oder taumelt vielmehr der alte Sargmacher in die Stube. „Warte, Du jüdischer Spitzbube, Du erwischst noch ein Paar tüchtige Hiebe auf Deinen jüdischen Schädel — was glauben Euer Wohlgeboren," setzt er 13

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