Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Gestalten aus dem Osten
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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190 kann geholfen werden! „Das fehlt mir noch," schrie er aus Leibeskräften, „hör' einmal mit dem Hundewinseln auf, oder es gibt was!" Und drohend erhob er die Hand, mit der er den schweren Hammer umklammert hielt. „Ist es vielleicht nicht genug, daß ich für Dich sorge und mich abplage wie ein Stück Vieh? . . . Weil ich am Sonntag nichts arbeite und manchmal mir am Montag auch einen kleinen Rasttag mach', da will sich so ein faules Weib hinlegen und mir die Lust am Arbeiten auch am Dienstag verderben mit ihrem Geplärre" . . . .> „Jakob, hör' auf mich," ächzte die kranke Frau. „Mach' doch zuerst ein Ende mit dem Gewinsel, das mir die ganze Lust an der Arbeit verderben kann" .... Allein Marja hörte nicht auf fein belferndes Gekeife. Schwer gingen ihre Atemzüge, ihre eingefallene Brust arbeitete unter der zerrissenen Decke und ihr ganzer ermatteter Leib zuckte im Fieberschauer. Mit einem verächtlichem Blick streift Jakob Iwanow, im Dorfe auch Bronfa genannt, die jämmerliche Gestalt, dann wendet er sich geringschätzig zu feiner Hobelbank. „Wird ein schöner Sarg werden", brummte er, „was wird die denn gar brauchen — so ein alter Bettelleib, ist das auch was — heißt das auch eine Arbeit, so was — ist das gar eine Arbeit für so 'neu tüchtigen Sargmacher, wie ich, Jakob Iwanow Mattheitsch, einer bin! Sitzt einer nun bei der Hobelbank und wartet und wartet, bis endlich einmal was Nobles ein' Sarg braucht; aber da kommt nichts — da kannst du Väterchen noch lange warten, eh' es wieder was zu verdienen gibt. Na also", schloß er laut lachend, „wenn's schon sein muß, so wollen wir also in Gottes Namen die feine Bestellung übernehmen", und mit blödem Blinzeln zu der kranken Frau hin, erhebt sich der Sargmacher, ergreift den Meßstab und beginnt an dem Leibe der Armen die Länge des Sarges zu messen. „Wird nicht viel heißen," brummt er vor sich hin, „was ist denn an so einem Weiblein dran. Wie viel Holz wirst