Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Gestalten aus dem Osten
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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und Ungerechtigkeit. Womit fangen wir an? Ich denke mit „Pejsachovka;" er ist großartig, es wundert mich immer, daß man ihn nicht überall benutzt. Was willst Du?" fügte er zu, wendete sich an seine Frau und füllte die Gläser. Sie wollte Honig trinken. „Schäme Dich, Natalia Petrowna," lachte Schlojme, „was für eine Natalia Petrowna bist Du, wenn Du ein Gläschen Schnaps fürchtest, und so einen Schnaps. Aber tu', wie Du willst. Dieser Honig," fügte er hinzu, „ist im Hause gemacht, so etwas können Sie im Handel gar nicht bekommen." Der Honig war wirklich vorzüglich. „Jetzt," er sah sich um, sollte eins von den Kindern diese Frage an uns richten: „Wodurch unterscheidet sich dieser Abend von allen anderen Abenden?" Unsere Kinder könnten aber viel wichtigere Fragen an uns richten. Da hier überhaupt keine Kinder sind, so können wir damit anfangen: „Wir waren Sklaven in Aegypten. „Wir sind jetzt auch keine Herren." „Das ist auch nicht nötig" bemerkte ich. „Warum?" „Wir müssen Menschen sein, nicht Herren." Schlojme schwieg, dann sprach er: „Sie sagen, wir müssen Menschen sein, aber die Menschen sind einmal so, sie sind entweder Gebieter oder Sklaven." „Weil sie noch zu wenig entwickelt sind; wenn die Kultur höher sein wird, werden sie alle zu der Überzeugung kommen, daß es nichts Höheres in der Welt gebe als ein Mensch zu sein, und keine größere Freude, als um sich her keine Sklaven zu sehen, nur Gleiche." „Glauben Sie, daß diese Zeit mal kommen wird?" „Wir hoffen." „Wann?" „Wenn der Messias kommt," sagte ich. „Der Messias", seufzte Schlojme, „ja, wenn er kommt, kann das alles sein, jetzt aber trinken wir „Pejsachsovka." Trinken wir auf die zukünftigen Menschen,