Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Gestalten aus dem Osten
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 176 (sequence 16)
- Language
- German
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176 stoßen wir an," und Schlojrne trank sein Glas aus. Ich folgte seinem Beispiel. „Wie Sie sehen," sagte Schlojme, „folgen wir nicht genau der Sitte, aber ich meine, es ist nicht wichtig. Das Wichtigste ist, zu wissen, wir sind nicht mehr Sklaven bei Pharao. Jetzt," sagte er zu seiner Frau, „hol den Fisch" Die traditionelle jüdische Mahlzeit fing an; es gab natürlich Klöße, ein wahres Wunder der Kochkunst. Der faschierte Hecht spielte auch eine wichtige Rolle. Die Mazze hatte zwar weicher sein können für Petersburger Zähne, aber wenn man bedenkt, daß keine Speise in der Welt so viel Menschenblut gekostet hat, wie diese, so kann man es verzeihen. Schlojme bemerkte, die Mazzot sind wirklich mit Menschenblut gemacht, aber nicht mit christlichem, sondern mit jüdischem! Nach der Mahlzeit füllte Nikolai Chaskelowitsch fein Glas mit Honig und sprach: „Was nun? (hebräisch) Nächstes Jahr in Jerusalem. Es wäre ganz gut, aber offen gesagt, habe ich nicht viel Hoffnung. Ist es wahr, daß der türkische Sultan den Juden Palästina bald abgeben wird?" Ich erklärte ihm, so gut ich konnte, die ganze Idee in allgemeinen Zügen. Schlojme war entzückt, er hörte mich zitternd an, mit fieberhaft glänzenden Augen, und wie ich geendet habe, sprang er auf und schrie laut dreimal, mit fast hysterischer Entzückung: „Leschono habo be-Jirascholajim!“ Dann warf er sich in die Arme seiner Frau und sprach fast schluchzend mit sonderbarer Betonung: „Bejle, nächstes Jahr müssen wir Beide in Jerusalem sein. Wir müssen!"