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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 153

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Leopold Kompert
Date
1906-01-01
Page
Seite 153 (sequence 7)
Language
German
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153 In Münchengrätz und zwölf Jahre alt hat Kompert sein erstes Poem gedichtet; es war das Danklied für eine Riesenbirne. Wie leuchtete des Dichters Auge in Rührung, als er mir die Geschichte dieser Birne erzählte! Moritz Hartmann hatte sie geschenkt erhalten und dem Freunde zugetragen, zwei Stunden weit im heißesten Sonnenbrand, um die Frucht mit ihm zu teilen — „und sie war fast ganz, als er sie mir brachte, nur an einer Stelle hatte er ein wenig hineingebiffen". In metrischer Form waren auch die folgenden Versuche, welche er, „der verträumteste Junge in der Klasse", in Jungbunzlau, dann in Prag schrieb, und sie hatten keinerlei Beziehung zum Judentum — im Gegenteile: zu den Hussiten — atmete er doch dieselbe Luft, welche in Meißner früh den Plan des „Ziska", in Hartmann die ersten Strophen der „Böhmischen Elegien" etrtporfetnieit ließ. Es ist nichts von diesen Liedern erhalten; auch seine ersten Aufsätze, die „Pusztenbilder", besaß Kompert mä)t mehr. Aus der Lektüre von Rousseau's „Bekenntnissen", und der ^tifter'schen „Haidebilder" war nämlich den überschwänglichen, lebensunkundigen und ach! so notbedrängten Jüngling der Gedanke gekommen, der Kultur den Rücken zu kehren und sich auf einer Puszta anzusiedeln. Doch hielt der Entschluß nicht lange vor; bald treffen wir ihn in Preßburg, wo er verschiedene Aufsätze schreibt, allerlei Studien betreibt, endlich zwanzigjährig, seine erste Novelle verfaßt; sie heißt aber: „Die Heineanerin"! — „Poesie war mir etwas so Erhabenes; wie konnte man sie in bm (Btaiib zerren, indem man Dinge beschrieb, die man genau kannte?!" Daß fast gleichzeitig die ' erste deutsche Geschichte aus dem Ghetto der Gegenwart erschien, in einem Berliner Kalender — „Vögele der Maggid" war ihr Titel und A. Bernstein der Verfasser — erfuhr Kompert nicht; er hat diese Meisternovelle erst in einer Separat-Ausgabe der fünfziger Jahre kennen gelernt; daß dieselbe der Zeit nach seinen Arbeiten vorangegangen, erfuhr er gar erst in: April 1882 aus einer Notiz, welche ich zu Bernsteines 70. Geburtstage für eine Zeitung schrieb; er war bis

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