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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 152

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Leopold Kompert
Date
1906-01-01
Page
Seite 152 (sequence 6)
Language
German
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152 Sympathien derselben zuzuwenden. Es war ein Glück für ihn und für die Sache der Menschlichkeit, daß er in einer Luft sprach, in welcher alle Winde ruhten; als sich in den letzten Jahren der Stoßwind erhob, der gegen seine Sache wehte, und auch ihn, trotz seines greiser: Hauptes, trotz seiner persönlichen Beliebtheit, kalt und schneidend anhauchte, da dachte er: nicht daran, dagegen zu sprechen, er war schon zu krank dazu, wohl auch zu stolz, vielleicht auch nicht Kämpsernatur genug. Nur einen Plan hielt er längere Zeit fest: sich gegen einzelne Mißverständnisse zu verwahren, und so beabsichtigte er seiner Gesamt-Ausgabe eine Art Rechenschaftsbericht über sein Schaffen vorauszusenden, ruhig und objektiv, etwa so, wie es jetzt Gustav Freytag getan. Ost und viel hat er mit nur darüber gesprochen und korrespondiert; die Arbeit blieb ungeschrieben; und nur einiges Wenige von dem, was er mir mitteilte, ist in jenen Buchhändlerprospekt übergegangen, welchen ich aus seinen Wmrsch für die Gesamt-Ausgabe schrieb. So mag denn jetzt der Lebende für den Toten sprechen; aber es wäre nicht im Geiste dieses wahrhaftigen Mannes gehandelt, wenn ich dabei die Punkte verschweige:: wollte, wo ich anderer Ueberzeugung bin. Man hat Kompert vorgeworfen, daß er einzig aus Tendenzzwecken ein Dichter des Ghetto geworden und dabei verblieben, er wehrte Beides ab; man hat ihn: eingewendet, daß er einen konfessionellen Standpunkt eingenommen, und er erwiderte: „Nein! einen allgen:ein menschlichen!" In keinem dieser Punkte wird ein unbefangenes Urteil den Gegnern auch nur entfernt Recht geben, aber auch der Dichter war wohl teilweise in: Irrtum, weil ihn sein edles, mildes, erbarmungsvolles Gemüt manches anders sehen ließ, als es war. Bolle Klarheit aber können wir darüber nur dann gewinnen, wenn wir denselben Weg einschlagen, welchen er zu gehen gedacht, und „seine innere Biographie" verfolgen, wie er es nannte, „die Biographie seiner Seele". Ich halte mich dabei durchweg an seine mündlichen Mitteilungen.

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