Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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144 die Leser schon aus Men kargen Zitaten, ^aus ^seinen Schriften erkannt haben werden, daß er nicht nur der Mann von hohem Geist, sondern auch von edlem Herzen und von dem reinsten Wohlwollen beseelt war. Hören wir einmal einige seiner Zeitgenossen und zwar von den bedeutendsten: Am 22. Januar 1839 schreibt Berthold Auerbach seinem Freund und Vetter: „Mit Rießer stehe ich, wenngleich auf Du, doch in keinem Verhältnis, das erquicklich wäre. Rießer ist zu sehr sich verbrauchender allgemeiner Menschenfreund, er hat zu viel stereotype Bonhommie, seine Freundschaft ist zu viel gesucht, als daß man mit ihm in jene persönlichen und speziellen Bezüge käme, die ich fordere und fordern muß. Es mag Dir komisch klingen: Ich erkenne in Rießer eine echte Tribunengestalt, wie ich sie mir bei den Alten denke, mit unendlicher persönlicher Einnehmbarkeit, deren Leutseligkeit und Herablassung das Vergöttertwerden nicht ausschließt, ja sogar in sich schließt. Er vergibt sich nie und gibt sich doch allen. Dabei hat er etwas Goethisches, eine gewisse Naturvornehmigkeit und jovische Ruhe: in seiner imposanten Gestalt und beweglichen Behaglichkeit liegt der Ausdruck dieser verschiedenartigsten Elemente." Nicht weniger interessant ist das, was Abraham Geiger zu einer Zeit über Rießer schrieb, da dieser gegen Geigers Intention die Frankfurter Reformbestrebungen nicht nur nicht unterstützte, sondern ihnen sogar entgegentrat. „Erfreulich ist mir jedenfalls, daß auch Rießer aus seiner neutralen religiösen Stellung in gewisser Beziehung herauszutreten geneigt ist, obgleich ich, offen gestanden, von seinem praktischen Geschick nicht viel halte. Er mag ein Abbe Sieyes sein, ein O'Connel ist er keineswegs und einen solchen könnten wir mutatis mutandis gar sehr brauchen". Als aber Rießer gestorben war, da erkannte Geiger sehr wohl, daß er für seine Glaubensgenossen mindestens ebenso viel gewesen ist, wie Daniel O'Connel für seine Landsleute, und er schrieb nach dem Empfang der Todesnachricht an einen gemeinsamen Freund: „Gabriel Rießer ist dahin! Ob das gegenwärtige Geschlecht eine