Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 142 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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142 lich, Rießer f)at \e^t den vollen Glauben anden Erfolg seiner Arbeit. So sagt er: „Das ist die wahre, hohe, geistige Bedeutung des demokratischen Prinzips unserer Tage, daß jeder unterdrückte Stand, jede der Geburt oder des Glaubens wegen zurückgesetzte Klasse in dem Gefühl ihrer Menschenwürde die Kraft ihres sittlichen Wohlstandes findet und den Sieg der geistigen Befreiung vor der bürgerlichen feiert." Daß er auch gegen Bruno Bauer, den Erbjudenseind, mit Entschiedenheit auftrat, ist selbstverständlich. Auch gegen den Geheimen Regierungsrat Streckfuß in Berlin zog er mit scharfen Waffen zu Felde. Seine Besorgnis und Hoffnung für die künftige Stellung der Juden in Preußen sprach er in einer besonderen Schrift aus, die noch heute nach vielen Richtungen hin sehr beachtenswert ist. Am 18. Oktober 1846 hielt Rießer, soweit uns bekannt ist, seine erste große politische Rede von allgemeiner Tragweite. Es war die Festrede zur Feier des Gedenktags der Völkerschlacht bei Leipzig. Schon in dieser ersten Rede sprach er von den Hoffnungen einer Zukunft, an denen Deutschland so reich sei. Kamn zwei Jahre später hatten sich diese Hoffnungen erfüllt. Das, was Rießer befürchtete, daß ihm Schild und Helm in der Halle rosten würden, war nicht eingetreten. Der dringendsten Sorge für das äußere Leben war er überhoben, da er bald in Hamburg ein viel gesuchter Notar ward, und er selbst fühlte sich noch geistig jung genug, um an der neuen Erhebung des Vaterlandes teilzunehmen. Im Sturmjahr 48 wurde er auf besondere Anregung Mitglied des deutschen Vorparlaments. Schon in dieser Versammlung machte sich Rießer durch seinen juristischen Scharfsinn und seine Rednergabe bemerkbar. Aus seinen Antrag wurde beschlossen, daß für das Parlament jeder Deutsche ohne Unterschied des Glaubensbekenntnisses Wähler und wählbar sei. Kurz darauf wurde er im Herzogtum Lauenburg zum Abgeordneten für das Frankfurter Parlament gewählt. Hier nahm er durch die hinreißende Macht seiner Rede eine hervorragende Stellung ein. Er wurde zweiter Vizepräsident neben Eduard Simson als erstem, und hier konnte er denn auch wieder für seine