Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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141 gewinnen kann." Den Grundgedanken seines Trinkspruchs faßt er zusammen in dem Satze: „Politische und religiöse Freiheit über deni ganzen Erdkreis, die bürgerliche Gleichstellung der Juden in unseren: ganzen deutschen Vaterlande." In Bockenheim lebte Rießer vier Jahre. Dort schrieb er auch seine ausgezeichnete Broschüre: „Einige Worte über Lessings Denkmal an die Israeliten Deutschlands gerichtet". Der Ertrag dieser Schrift war zur Beisteuer für das Standbild Lessings in Braunschweig bestimmt. Mit Recht sagt einer seiner Biographen, daß sie zu dem Besten gehöre, was über Lessing geschrieben worden. Aber auch in seinem neuen Aufenthaltsort fehlte es ihm nicht an Enttäuschungen. Eines Tages bewarb er sich um das kurhessische Bürgerrecht. Anderthalb Jahre wartete er auf Bescheid und schließlich wurde er abschläglich beschieden. Das verleidete ihm auch den Aufenthalt in Hessen. Er schrieb damals an eine Freundin: „Was mir -als das höchste Ideal vorschwebte, war ein Sitz in der Ständeversammlung. Dieser wäre auch, wie ich jetzt glaube, nach erworbenem Bürgerrecht nicht sogar schwer zu erhalten gewesen, aber er hätte mir, wie die Verhältnisse sind und nach dem Gebrauch, den ich davon gemacht haben würde, vielleicht einige Ehre, aber gewiß keine Vorteile gebracht." Da starb 1839 der einzige jüdische Notar in Hamburg, der auch als Schriftsteller bekannte Gemeindesekretär Mendel Bresselau. Rießer bewarb sich nun um das Notariat in Hamburg und erhielt dasselbe. Wie sehr ihn auch das neue Amt beschäftigte, und wie reich er überdies nach den verschiedensten Seiten, sowohl auf dem Felde der Politik wie innerhalb der israelitischen Gemeinde seiner Vaterstadt seine Kräfte betätigte, der Abwehr aller Angriffe auf Juden und Judentum widmete er auch ferner den besten Teil seiner Kraft. In den Jahren 1840—42 erschien seine Schrift „Jüdische Briefe zur Abwehr und zur Verteidigung". (Zwei Hefte). Sie galten vorzugsweise der Abwehr literarischer Judenfeinde, wie Wolfgang Menzel, Gustav Pfitzer u. a. Der Ton in diesen Briefen ist bereits zuversichtlicher und mutiger als der in den ersten Schriften. Man erkennt es deut-