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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 140

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Gabriel Riesser
Date
1906-01-01
Page
Seite 140 (sequence 20)
Language
German
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140 erfreute ihn mit einem Ehrenpokal, die jüdischen Bürger des Großherzogtums Baden sandten ihm ein Bild von Moritz Oppenheim, das einen jüdischen Soldaten darstellt, der mit Narben und Ehrenzeichen bedeckt, aus dem Befreiungskriege in die Heimat zurückkehrt und gerade im sabbatlichen Stillleben seine alten, glückersüllten Eltern überrascht. Rießer ließ ein Wort des Dankes an diese Männer drucken. Darin heißt es: „Das öffentliche Wort hat mir sehr oft eine Waffe sein müssen zur Abwehr ungerechten Druckes, schnöder Lieblosigkeit; wie glücklich bin ich, daß ich mich seiner jetzt zum Ausdruck der Liebe und des Dankes bekennen kann! Wie wohltuend ist es, das Schwert des Wortes zur Sichel zu biegen, um Blumen der Freude aus dem Felde der Liebe zu ernten." Aber noch glücklicher war Rießer dadurch, daß so manches Werk, das frei und mutig aus diesem Gebiete begonnen wurde, durch sein Wort zum sicheren Ziel geführt wurde, und daß säst überall ein gewisser Fortschritt, wenn auch langsam und unter mannigfachen Anstrengungen zu erkennen war. Je freudiger sich also das Bewußtsein Rießers hob, um so schmerzlicher mußten ihn neue Enttäuschungen, vor allem in seiner eigenen Vaterstadt, Niederdrücken. Rohe Pöbelausbrüche kamen hinzu, um den Entschluß zu fassen, einen Ort, in dem selbst Judenhetzen ungeahndet blieben, zu verlassen. Er wählte seinen Aufenthaltsort in Kurhessen, dem deutschen Staate, der zuerst das vorbildliche Beispiel bürgerlicher Gleichstellung der Juden in Deutschland gegeben. Die Nähe Frankfurts bestimmte ihn, Bockenheim zu seinem Wohnort zu wählen. Seine Hamburger Glaubensgenossen überreichten dem scheidenden Manne eine goldene Denkmünze mit der Inschrift: „Dem Streiter für Recht und Freiheit." In . dem Trinkspruch, den er bei einem ihm gewidmeten Feste damals ausbrachte, sagte er: „Möge mein glückliches Los, mein heiteres, blumenbekränztes Märtyrium manchem eine Lehre sein, daß man auch ohne Schaden für das eigene Wohlsein aus manches äußere Gut, welches der herrschende Glaube sich Vorbehalten hat, verzichten und höhere Güter in dem Kamps für eine heilige Sache

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