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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 139

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Gabriel Riesser
Date
1906-01-01
Page
Seite 139 (sequence 19)
Language
German
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139 Von dem er wußte, ba% er notwendig sei, um als Kämpfer für Recht und Freiheit aufzutreten. Die schärfste Lauge seines Spottes goß Rießer über die judenfeindlichen Abgeordneten des badischen und des preußischen Landtags aus. Auch die bürgerlichen Verhältnisse der Hamburgischen Juden, ferner die Verhandlungen des englischen Parlaments über die Emanzipation der Juden zog er in den Kreis seiner Betrachtungen. Immer und überall, wo er die Ansichten Einzelner analysiert und sie nach Motiven und Endzwecken zerlegt, bewundern wir seinen feinen psychologischen Scharfblick, die Wärme und überragende Kraft des unmittelbaren Bewußtseins. In der ganzen jungen Generation lebte ja mehr oder minder dasselbe Gefühl für religiöse Freiheit, dieselbe Bereitwilligkeit zu jeglichem Opfer, das sie erheischt, aber kein Einziger hatte den Mut, mit solcher Entschiedenheit das auszusprechen, was allen im tiefsten Herzen lebte. Den meisten erstarb das Wort auf der Zunge, wenn sie Hohn und Verachtung, Kälte, Stolz und böswillige Verleumdung ihren heiligsten Bestrebungen entgegengesetzt sahen. In Rießer aber hatte das Zeitbewußtsein ein sprechendes Organ gefunden. Er schuf die Form der Verteidigung über diesen Gegenstand selbst so groß und wahr und unabweislich wie ihr Inhalt, wie ihr Zweck selbst. Darum rankten sich die Zeitgenossen so gern an seiner mächtigen Gestalt empor und erkannten rasch in ihm den gegebenen Repräsentanten ihrer Bestrebungen. Schon nach seinem ersten Auftreten war er von allen modernen Juden, ja von allen Freunden der Freiheit freudig begrüßt worden.. Sein Name war geehrt in allen deutschen Landen. Die gemeine Kritik mußte vor dem neu erwachten Geiste verstummen; selbst ein Wolfgang Menzel ließ seinen Bestrebungen volle Gerechtigkeit widerfahren. So auch, von der äußeren Anerkennung getragen, spannten sich Rießers Kräfte in den folgenden Jahren zu schönster Entfaltung. Die Huldigungen, die ihm von allen seinen Glaubensbrüdern gewidmet ward, ehrten nicht minder sie selbst als den Gefeierten. Die jüdische Gemeinde zu Frankfurt am Main

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