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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 136

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Gabriel Riesser
Date
1906-01-01
Page
Seite 136 (sequence 16)
Language
German
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136 hindurch erkennen." Es ist interessant, zu beobachten, wie Rießer in dieser Zeitschrift Schritt für Schritt alle Angriffe auf die Juden zurückweist, wie er die falschen Ansichten klärt, die Trugschlüsse enthüllt und vor allem die Unduldsamkeit bekämpft, die er in ihren tiefsten Schlupfwinkeln aufzusuchen nicht müde wird. Den Gegnern des Talmud ruft er zu: „Warum sollen wir einzelner Härten wegen die Geschichte von zwei Jahrtausenden unseres Glaubens verleugnen und verdammen — es hieße das, den Talmud und die rabbinischen Schriften, wie einige wollen, durch einen Gesamtbeschluß verwerfen —, da Ihr doch von dem Erscheinen Eures Glaubens an das Heil der Welt datiert, unbekümmert um die Grausamkeiten und um die unmenschlichen Lehren, zu denen er die Veranlassung geworden." Unvergeßliche, wahrhaft erhabene Worte spricht er über Nationalität und Vaterlandsliebe: „Wollte Gott, es erblühte auf dem Boden des gesamten Deutschland ein wahrhaft lebendiges, vaterländisches Streben, das sich kundgiebt in dem gemeinsarnen Wirken und Schaffen im Sinne eines unsere Seele durchdringenden Gedankens der Freiheit und des Gemeinwohls, dann wird ailch uns bald geholfen; dann würde man nicht lange mehr gegen uns markten um das bischen Recht, für uns so unendlich viel, so unendlich gering für die, die es gewähren sollen. Das ist eben die schönste erhabenste Seite der Vaterlandsliebe, das Streben für das Gemeinwohl, daß dieselben Kräfte, die sich sonst in ihrem selbstsüchtigen Treiben oft hemmend und störend beengen, manchmal selbst feindlich berühren — gleich Brüdern, die über die Erbschaft des Vaters, der im Grabe ruht, sich befehden — daß dieselben Kräfte, von der Liebe zum Vaterlande geleitet, in inniger Liebe gleich Brüdern, die für die lebende Mutter arbeiten, nach einem Ziel streben." Ein badischer Abgeordneter hatte in der Ständeversammlung die Frage aufgeworfen: „Und wenn wir einstens die Idee einer deutsch-nationalen Einheit wieder beraten müssen, welche Stimme wird dabei der Jude abgeben?" „Ich antworte darauf", sagte Rießer, „die Stimme der tiefsten Ueberzeugung, die Stimme der

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