Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 9 (1906)
- Article
- Gabriel Riesser
- Date
- 1906-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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135 nach der Erlangung einer höheren Freiheit auf einem anderen Wege als der ist, den man uns zeigt, mit allen Kräften ringen und streben und bis zum letzten Lebens- Hauche zu ringen und zu streben entschlossen sind, das ist es, glauben wir, was uns würdig macht, Deutsche zu sein und zu heißen. Die kräftigen Klänge deutscher Sprache, die Gesänge deutscher Dichter, haben in unserer Brust das heilige Feuer der Freiheit entzündet und genährt; der Hauch der Freiheit, der über die deutschen Gauen zog, hat unsere schlummernden Freiheitshoffnungen geweckt, und manche frohe Aussicht ist ihnen schon seitdem geworden. Wir wollen dem deutschen Vaterlande angehören. Wir werden ihm aller Orten angehören. Es kann und darf und mag von uns Allen fordern, was es von seinen Bürgern zu fordern berechtigt ist; willig werden wir ihm Alles opfern — nur Glauben und Treue, Wahrheit und Ehre nicht; denn Deutschlands Helden und Deutschlands Weisen haben uns nicht gelehrt, daß man durch solche Opfer ein Deutscher wird!" Ein Jahr darauf (1832) begann Rießer die Herausgabe einer Zeitschrift, die ausschließlich bzn Kampf für Religions- und Gewissensfreiheit führen sollte. Schon der Name, mit dem er diese Zeitung in die Oeffentlichkeit führte, war eine Mannestat. Der Titel lautete nämlich: „Der Jude". In der Einleitung rechtfertigt er diesen Titel; er will nicht mehr von Bekennern des mosaischen Glaubens oder von Israeliten sprechen, wie man es bis dahin schüchtern und verschämt getan hatte, sondern nur noch von Juden. „Wenn ungerechter Hatz an unserem Namen hastet, sollen wir ihn dann verleugnen, anstatt all unsere Kraft daran zu setzen, ihn zu Ehren zu bringen? Wir lachen über die kindische Sitte unserer Vorfahren, dem gefährlich Erkrankten seiner: Namen zu ändern, als würde ihn darin der Todesengel nicht wieder aufzufinden wissen. Sind wir nicht ebenso töricht mit unseren moderrr umschreibenden Bezeichnungen? Glaubt mir, der Haß weiß seinen Mann zu finden, so gilt wie der Todesengel, und so lange er ihn sucht, wird er ihn durch tausend begütigende Namen