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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1906-01-01 · 9 (1906) · p. Seite 132

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
9 (1906)
Article
Gabriel Riesser
Date
1906-01-01
Page
Seite 132 (sequence 12)
Language
German
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— ” 132 — folgt er seinem Gegner und zerpflückt dessen schönste Argumente und Einwürfe. Die Broschüre trägt das Motto: Einen Vater in den Höhen, eine Mutter haben wir, Gott, ihn aller Wesen Vater, Deutschland unsre Mutter, hier. Auch aus dieser Schrift werden einige Auszüge notwendig sein, um erstens den Charakter seiner Verteidigung und zweitens die Form und Art seines Auftretens klar und anschaulich zu machen: „Wir sind nicht eingewandert, wir sind eingeboren und weil wir es sind, haben wir keinen Anspruch anderswo auf eine Heimat; wir sind entweder Deutsche oder wir sind heimatlos. Oder will man im Ernst die ursprüngliche fremde Abkunft gegen uns geltend niachen? Will man zivilisierte Staaten auf das barbarische Prinzip der Autochthonenherrschaft zurückführen? Diese Fragen bedürfen keiner Antwort." „Es giebt" — fährt Rießer fort — „nur eine Taufe, die zur Nationalität einigt: die des Bluts im gemeinsamen Kamps für Freiheit und Vaterland. Die deutschen Juden haben sich diesen vollgültigen Anspruch auf Nationalität vollgültig erworben. In der Marienkirche zu Lübeck" — erzählt Rießer — „las man die Namen von Juden, unter denen der gefallenen Befreiungskämpfer. Nach dem Befreiungskriege hat man in Lübeck die Juden ausgetrieben. Jene jüdischen Kämpfer haben also die Schmach ihrer Glaubensgenossen mit ihrem Blute erkauft." „Ihr Alle" — ruft dann Rießer —, „die Ihr nun einmal kein anderes Judentum kennen wollt als das, was Euch Eisenmenger kennen gelehrt hat, übt doch wenigstens nicht die schreiende Ungerechtigkeit, diesem Judentum in seiner starren Abgeschlossenheit das fröhlich bewegliche Leben des Augenblicks mit allen seinen Blüten der Bildung und der Freiheit, mit all seinem Lichte des Wissens und der Menschlichkeit entgegenzustellen. Ihr schmäht die Lehre von einem auserwählten Volke, das Gott seiner besonderen Liebe würdige, nicht allein, um es irdisch glücklich zu machen — durch 2000 jähriges Leiden verfolgt man kein irdisches Glück —, sondern weil er es zur Verbreitung seiner Lehre einst ausersehen.

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